das wunder der phonosynthese (bleilochtalsperre)

sonne mond und sterne 2002

wenn es sich einzig allein um töne und melodien dreht


www.sonnemondsterne.de


es gibt keine andere veranstaltung auf die sich die spacelounge crew ähnlich lange freut, wie auf das sonne mond und sterne-festival an der bleilochtalsperre. spätestens seitdem das line up im späten frühjahr stand, fieberten wir in diesem jahr besonders dem auftritt von underworld entgegen. dazu sollten knapp 150 der weltbesten djs und live performer die erwarteten 30.000 partypeople aus der ganzen republik zum feiern bringen. bei so vielen guten aussichten und der erinnerung an das vergangene jahr, kamen wir am freitag auch recht früh aus den startlöchern und machten uns gegen 19 uhr auf den weg ins thüringische saalburg. die fünf stunden im spacelounge-mobil verbrachten wir mit fahren, der underworld "everything, everything lp", schlafen, einem live-set von zombie nation und vorfreuen.


halb zwölf angekommen, stehen wir, wie die meisten anderen besucher auch, ersteinmal in einem kleinen stau. gar nicht weiter schlimm, wenn wir in dieser einen stunde nicht schon die sets von heiko laux oder holgi star verpassen würden.
als wir die hauptbühne gegen halb eins erreichen, vernehmen wir die dubbigen klänge der stereo mcs. sie und die überdimensionierten bretzeln des sms-logos versetzen uns ersteinmal ein weile ins staunen.
doch kurze zeit später ist es auch schon wieder da. das typische festival-gefühl in jedem moment in einem anderen floor etwas zu verpassen. auf geht`s also richtung circus, wo kowalski und ohara für stimmung sorgen sollen.
"irgendwie mehr eine band als techno", sagt ein besucher, nachdem wir uns durch das riesige vierhöckrige zelt nach vorn gearbeitet haben. und er hat recht. nicht lange darüber nachgedacht, geht es zurück zur centerstage, auf der der deutsche godfather des techno in sommer-ibiza-laune bereits applaus einfordert.
sven väth überrascht mit ungewöhnlich weichen aber wirren klängen. den feiernden gefällt`s . ihr honorar sind etliche "der meister, der meister"-rufe am ende seiner zweistündigen odyssee. dave clark knüpft ab 3 uhr geschickt an die fluffigen töne an, wird dann aber schnell plastischer und härter. und wenn schon hart, dann rush. geschwind gedreht, ellbogen eingesetzt und zurück ins tropisch feuchte circuszelt.
dj rush - auf den sich viele am meisten freuten - lässt es wie gewohnt ordentlich klappern. zeit für große flächen findet der mann, dem scheinbar acht arme und hände gehören nicht. dem publikum imponieren die zackigen überdrehten beats - es wird zum ersten mal eng im gigantisch großen circus. 4.20 uhr: kurze verschnaufpause im spacelounge-mobil.

große schritte mit zombie nation

punkt fünf sind wir allerdings schon wieder auf der centerstage, denn dort wartet nichts geringeres als das live set von zombie nation. die jungs aus münchen verzaubern mit basslastigem sound, von dem sich die masse zu großen tanzschritten hinreißen lässt. die schönste stunde des freitags hinter uns, lassen wir uns bis sieben von adam beyer begeistern und pilgern dann durch die liebevoll dekorierten clubzelte.
die betreiber der clubzelte - communities und clubs aus dem ganzen land - bemühen sich den auffällig schnellen freitags-takt der großen bühnen mitzuhalten. in keinem floor gibt es latin oder vocalhouse um die ohren. selbst bekannte weichspieler wie ricardo villalobos ziehen mächtig an den hebeln.
absperrungen in einigen clubzelten sollen für sicherheit sorgen, schaffen aber auch distanz zwischen party-crowd und dj. die individuelle atmosphäre bietet trotzdem allen, denen "irgendwie alles zu groß" vorkommt, einen raum um in entspannter runde so richtig zu feiern und die dimension des events zu vergessen.

das allgemeine hochgefühl aufnehmen

samstag vormittag gegen zehn fahren wir zum beliebten sparmarkt und decken uns mit dem ein, was die anderen der 30.000 wochenend-saalburger noch nicht mitgenommen haben. schon bald unverzichtbar sind die thüringer rostbratwürste, die man von jeder straßenecke fast nachgeworfen kriegt. zurück auf dem parkplatz nehmen wir das allgemeine hochgefühl auf, hören die musik aus den zahlreichen extra-boxen und treffen bekannte gesichter.
komisch sind die beiden mannen der "delegation zerbst", die in den acht stunden, die wir neben ihnen parken, im auto ruhen und ihren vorm lenkrad aufgebauten biervorrat vernachlässigen. der kleine regen am samstag nachmittag sorgt dann allerdings auch bei uns für eine angenehme abkühlung und eine recht willkommene verschnaufpause auf den kuschelig weichen autositzen.

mit underworld reisen

die nacht beginnt mit dröhnung bright und ganz viel aroma. takraf ziehen eine wilde hämmernde show ab und klopfen zu den beats von tanith wie verrückt auf den percussions herum. für mich irgendwie zu viel für den anfang. ich verdrück mich erstmal richtung savas pascalidis. der überrascht mit ungewöhnlich vielschichtigem techno - weichere bässe, viele flächen. die heftigen wogen des freitags scheinen sich zu glätten. der circus ist nicht ganz so voll wie gestern.
die mehrzahl der leute zieht es am samstag vor die center stage. green velvet, the advent. das schreit nach party. ich bleib noch bis underworld im großen zelt und folge den beats von anthony rother. dessen mucke ist auch genial und im circus ist einfach mehr platz für die beine.
von underworld weiß ich nur noch, dass ich mich samstag gegen ein uhr auf eine zweistündige reise begebe, die sich mir bis heute nicht völlig erschließt. noch tage später gebe ich völlig unmotiviert zwischen wildfremden leuten töne und melodien von mir, die sich ganz fest im kopf verankert haben. die londoner bringen spiel- und klangvielfalt der elektronischen beats wie keine anderen zum ausdruck.
dazu die gewaltige soundkulisse, die nicht den entlegensten winkel verschont. alles was man nach sms an den nächsten wochenenden im floor so denkt ist: "jetzt mach doch mal die musik lauter". mindestens zehn meter hohe türme ragten an beiden seiten der bühne richtung himmel. underworld, die technik, die lichteffekte und immer wieder das geschwungene sonnemondsterne-symbol, lassen eine nie gesehene fantasiewelt entstehen, in der sich alles einzig allein um töne und melodien dreht. es ist schön, sich daran zu erinnern.

kassa/flucs/distillery voll mit guter laune

dj jauche belagert samt band seit 2 uhr die zweite open air bühne - präsentiert von den brandenburg-allstars. die gewohnten smoothy töne des berliners lassen vor allem die fans des deepen house endlich aufatmen. es wird schnell voll und auch im freien warm.
luke slater macht es sich derweil mit einer nicht weniger großen partycrowd im circus gemütlich. sieht irgendwie aus wie seine beats klingen: zackig, düster und absolut klar.
nach kurzer verschnaufpause bleiben wir anschließend nach einem rundgang im kassa/flucs/distillery-zelt hängen.
yo überrascht mit *flauschigen* tönen. und der bunte floor ist bis in die frühen morgenstunden das heimliche mekka der elektrisierten und bei weitem der vollste.
der groß angekündigte paul oakenfold erweist sich zwar als großer künstler an den tellern, passt aber mit sehr trancelastigem sound nicht so recht ins bild. sonntag morgen ist es sowieso plötzlich schwierig harte beats zu ausfindig zu machen. man scheint sich allgemein zu besinnen. päuschen.

den sonntag verbringen wir in gemütlicher runde mit gott und der welt auf dem großen parkplatz. gruß und dank für die gastfreundschaft an grafi und al.
besonders angenehm war auch die ständige präsenz der grünen beamten. mit der zeit hat man sich richtig an daran gewöhnt und sie als teil des ganzen wahrgenommen.
das ist es wohl, was man gelungene öffentlichkeitsarbeit nennt.
gegen sieben am abend macht sich die spacelounge crew auf in richtung heimat. mit vielen schönen eindrücken, bildern, klängen und vor allem underworld im kopf eine angenehme reise. eine reise die sich anreihte an brodelnde abenteuer-touren durch das ungekrönte festival der elektronischen musik sonne mond und sterne 2002.

 
spacebort
 

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