es gibt keine andere veranstaltung auf die sich die spacelounge
crew ähnlich lange freut, wie auf das sonne mond und
sterne-festival an der bleilochtalsperre. spätestens
seitdem das line up im späten frühjahr stand,
fieberten wir in diesem jahr besonders dem auftritt von
underworld entgegen. dazu sollten knapp 150 der weltbesten
djs und live performer die erwarteten 30.000 partypeople
aus der ganzen republik zum feiern bringen. bei so vielen
guten aussichten und der erinnerung an das vergangene jahr,
kamen wir am freitag auch recht früh aus den startlöchern
und machten uns gegen 19 uhr auf den weg ins thüringische
saalburg. die fünf stunden im spacelounge-mobil verbrachten
wir mit fahren, der underworld "everything, everything
lp", schlafen, einem live-set von zombie nation und
vorfreuen.
halb zwölf angekommen, stehen wir, wie die meisten
anderen besucher auch, ersteinmal in einem kleinen stau.
gar nicht weiter schlimm, wenn wir in dieser einen stunde
nicht schon die sets von heiko laux oder holgi star verpassen
würden.
als wir die hauptbühne gegen halb eins erreichen, vernehmen
wir die dubbigen klänge der stereo mcs. sie und die
überdimensionierten bretzeln des sms-logos versetzen
uns ersteinmal ein weile ins staunen.
doch kurze zeit später ist es auch schon wieder da.
das typische festival-gefühl in jedem moment in einem
anderen floor etwas zu verpassen. auf geht`s also richtung
circus, wo kowalski und ohara für stimmung sorgen sollen.
"irgendwie mehr eine band als techno", sagt ein
besucher, nachdem wir uns durch das riesige vierhöckrige
zelt nach vorn gearbeitet haben. und er hat recht. nicht
lange darüber nachgedacht, geht es zurück zur
centerstage, auf der der deutsche godfather des techno in
sommer-ibiza-laune bereits applaus einfordert.
sven väth überrascht mit ungewöhnlich
weichen aber wirren klängen. den feiernden gefällt`s
. ihr honorar sind etliche "der meister, der meister"-rufe
am ende seiner zweistündigen odyssee. dave clark knüpft
ab 3 uhr geschickt an die fluffigen töne an, wird dann
aber schnell plastischer und härter. und wenn schon
hart, dann rush. geschwind gedreht, ellbogen eingesetzt
und zurück ins tropisch feuchte circuszelt.
dj rush - auf den sich viele am meisten freuten -
lässt es wie gewohnt ordentlich klappern. zeit für
große flächen findet der mann, dem scheinbar
acht arme und hände gehören nicht. dem publikum
imponieren die zackigen überdrehten beats - es wird
zum ersten mal eng im gigantisch großen circus. 4.20
uhr: kurze verschnaufpause im spacelounge-mobil.
große schritte mit zombie nation
punkt fünf sind wir allerdings schon wieder auf der
centerstage, denn dort wartet nichts geringeres als das
live set von zombie nation. die jungs aus münchen
verzaubern mit basslastigem sound, von dem sich die masse
zu großen tanzschritten hinreißen lässt.
die schönste stunde des freitags hinter uns, lassen
wir uns bis sieben von adam beyer begeistern und
pilgern dann durch die liebevoll dekorierten clubzelte.
die betreiber der clubzelte - communities und clubs aus
dem ganzen land - bemühen sich den auffällig schnellen
freitags-takt der großen bühnen mitzuhalten.
in keinem floor gibt es latin oder vocalhouse um die ohren.
selbst bekannte weichspieler wie ricardo villalobos
ziehen mächtig an den hebeln.
absperrungen in einigen clubzelten sollen für sicherheit
sorgen, schaffen aber auch distanz zwischen party-crowd
und dj. die individuelle atmosphäre bietet trotzdem
allen, denen "irgendwie alles zu groß" vorkommt,
einen raum um in entspannter runde so richtig zu feiern
und die dimension des events zu vergessen.
das
allgemeine hochgefühl aufnehmen
samstag
vormittag gegen zehn fahren wir zum beliebten sparmarkt
und decken uns mit dem ein, was die anderen der 30.000
wochenend-saalburger noch nicht mitgenommen haben. schon
bald unverzichtbar sind die thüringer rostbratwürste,
die man von jeder straßenecke fast nachgeworfen kriegt.
zurück auf dem parkplatz nehmen wir das allgemeine
hochgefühl auf, hören die musik aus den zahlreichen
extra-boxen und treffen bekannte gesichter.
komisch sind die beiden mannen der "delegation zerbst",
die in den acht stunden, die wir neben ihnen parken, im
auto ruhen und ihren vorm lenkrad aufgebauten biervorrat
vernachlässigen. der kleine regen am samstag nachmittag
sorgt dann allerdings auch bei uns für eine angenehme
abkühlung und eine recht willkommene verschnaufpause
auf den kuschelig weichen autositzen.
mit underworld reisen
die
nacht beginnt mit dröhnung bright und ganz viel aroma.
takraf ziehen eine wilde hämmernde show ab und
klopfen zu den beats von tanith wie verrückt
auf den percussions herum. für mich irgendwie zu viel
für den anfang. ich verdrück mich erstmal richtung
savas pascalidis. der überrascht mit ungewöhnlich
vielschichtigem techno - weichere bässe, viele flächen.
die heftigen wogen des freitags scheinen sich zu glätten.
der circus ist nicht ganz so voll wie gestern.
die mehrzahl der leute zieht es am samstag vor die center
stage. green velvet, the advent. das schreit nach
party. ich bleib noch bis underworld im großen zelt
und folge den beats von anthony rother. dessen mucke ist
auch genial und im circus ist einfach mehr platz für
die beine.
von underworld weiß ich nur noch, dass ich
mich samstag gegen ein uhr auf eine zweistündige reise
begebe, die sich mir bis heute nicht völlig erschließt.
noch tage später gebe ich völlig unmotiviert zwischen
wildfremden leuten töne und melodien von mir, die sich
ganz fest im kopf verankert haben. die londoner bringen
spiel- und klangvielfalt der elektronischen beats wie keine
anderen zum ausdruck.
dazu die gewaltige soundkulisse, die nicht den entlegensten
winkel verschont. alles was man nach sms an den nächsten
wochenenden im floor so denkt ist: "jetzt mach doch
mal die musik lauter". mindestens zehn meter hohe türme
ragten an beiden seiten der bühne richtung himmel.
underworld, die technik, die lichteffekte und immer wieder
das geschwungene sonnemondsterne-symbol, lassen eine nie
gesehene fantasiewelt entstehen, in der sich alles einzig
allein um töne und melodien dreht. es ist schön,
sich daran zu erinnern.
kassa/flucs/distillery voll mit guter
laune
dj
jauche belagert samt band seit 2 uhr die zweite open
air bühne - präsentiert von den brandenburg-allstars.
die gewohnten smoothy töne des berliners lassen vor
allem die fans des deepen house endlich aufatmen. es wird
schnell voll und auch im freien warm.
luke slater macht es sich derweil mit einer nicht
weniger großen partycrowd im circus gemütlich.
sieht irgendwie aus wie seine beats klingen: zackig, düster
und absolut klar.
nach kurzer verschnaufpause bleiben wir anschließend
nach einem rundgang im kassa/flucs/distillery-zelt
hängen.
yo überrascht mit *flauschigen* tönen. und der
bunte floor ist bis in die frühen morgenstunden das
heimliche mekka der elektrisierten und bei weitem der vollste.
der groß angekündigte paul oakenfold erweist
sich zwar als großer künstler an den tellern,
passt aber mit sehr trancelastigem sound nicht so recht
ins bild. sonntag morgen ist es sowieso plötzlich schwierig
harte beats zu ausfindig zu machen. man scheint sich allgemein
zu besinnen. päuschen.
den
sonntag verbringen wir in gemütlicher runde mit gott
und der welt auf dem großen parkplatz. gruß
und dank für die gastfreundschaft an grafi und al.
besonders angenehm war auch die ständige präsenz
der grünen beamten. mit der zeit hat man sich richtig
an daran gewöhnt und sie als teil des ganzen wahrgenommen.
das ist es wohl, was man gelungene öffentlichkeitsarbeit
nennt.
gegen sieben am abend macht sich die spacelounge crew auf
in richtung heimat. mit vielen schönen eindrücken,
bildern, klängen und vor allem underworld im kopf
eine angenehme reise. eine reise die sich anreihte an brodelnde
abenteuer-touren durch das ungekrönte festival der
elektronischen musik sonne mond und sterne 2002.