interview: "marco bailey"
 
name
marco bailey
geburtsjahr
1970
wohnort
irgendwo im wald in belgien
club residencies
keine – jede woche woanders irgendwo auf dem globus – von singapur über kanada und madrid bis nach moskau
 
housefloor.de: du legst seit 15 jahren auf und hast die entwicklung der elektronischen szene in belgien miterlebt und mitgestaltet. was hat dich in deinen ersten jahren als dj beeinflusst?
marco bailey: zuerst ergriffen mich funk, hiphop und dmc. ich war total verrückt nach sachen wie q’bert aus den usa oder auch dj david aus deutschland, der auf den plattenspielern breakdance gemacht hat. :-)
ich habe auch sachen wie the clash, the pixies, dave ball, simple minds und john fox gespielt. von kleinen bars und clubs bin ich in die belgische house/techno szene gelangt bis hin zu dem, was es heute ist.
 
housefloor.de: anfang der 90er jahre hast du viel trance und goa aufgelegt. wie beurteilst du die veränderungen und heutige veröffentlichungen in diesen bereichen?
marco bailey: am anfang der 90er war alles noch nicht so unterteilt in verschiedene stile wie jetzt.
ich habe nächte mit neun- bis zehn-stunden-sets gespielt und dabei natürlich auch trance, aber anderen als heute. sven väth, dj dag waren die helden! :-) alles war irgendwie purer, reiner…
heute ist trance ziemlich kommerziell geworden, was nicht heißt schlechter. ich habe mich verändert und entschieden andere sachen zu spielen als am anfang der 90er jahre, weil ich den puren sinn in dieser richtung mehr und mehr vermisst habe.
 
housefloor.de: 1999 hast du dein erstes label session recordings gegründet. warum hast du dich gerade zu diesem zeitpunkt dazu entschlossen?
marco bailey: nachdem ich jahrelang zeug für andere gemacht habe, habe ich mich 1999 dazu entschlossen. session recordings ist ein label, das ich mit zzino angefangen habe, der aus den guten alten tagen bei re-load records bekannt ist. es war an der zeit stück für stück das aufzubauen, was ich immer machen wollte: ein eigenes label zu haben natürlich.
jetzt sind mb elektronics und mb selections meine wichtigsten labels. und natürlich pornographic, das ich gemeinsam mit meinem seelenfreund cristian varela aus spanien betreibe.
auf mb elektronics haben wir arbeiten von adam beyer, smith & selway, david carreta, redhead, chester beatty und anderen. mit mb selections gehen wir einen deepen und dunklen weg mit sounds etwa von takaaki itoh, claude young oder james ruskin.
 
housefloor.de: im jahr 2000 hast du auf carl cox’ damals noch jungem label intec records deine „play it back ep“ veröffentlicht. wie kam es zu dieser zusammenarbeit?
marco bailey: ich habe den ‚big black man’ immer sehr respektiert. es war einfach auf einer party in belgien, auf der wir zusammen gespielt haben. carl hat mich gebeten etwas für sein label zu machen. das habe ich natürlich mit freude getan.
diesen monat gibt’s ein neues release auf seinem label in-tec mit dem namen „never say never ep“. carl ist ein großartiger mensch, der immer ein lächeln für die leute hat. und sein herz hat er am richtigen platz. wenn er lächelt ist das nicht gemacht, sondern echt!
 
housefloor.de: seit ende der 90er jahre veröffentlichst du kontinuierlich eps und remixes gemeinsam mit redhead, auch unter dem namen soulwatcher. wie gestaltet sich eure zusammenarbeit?
marco bailey: redhead und ich wohnen fast neben einander. wir kennen uns seit unserer kindheit und wir zur schule gegangen sind. am anfang haben wir uns für viele jahre ein studio geteilt. heute hat jeder ein eigenes, aber wir hängen immer noch täglich zusammen rum. freundschaft, die echt ist, ist das schönste, was es gibt.
 
housefloor.de: bisher warst du hauptsächlich für harten techno bekannt. auf deinem aktuellen album rudeboy schlägst du auch sanftere töne an. wie kam es dazu?
marco bailey: ich hasse es, wenn leute einen in eine schublade stecken ohne einen zu kennen. ich treffe manchmal djs und produzenten, die einen nie spielen gehört haben und sagen man spielt nur harten techno???????
ich stehe auf viel mehr als harten techno. deshalb mache ich jetzt auch etwas electro und zeug ohne die typischen techno-elemente wie kicks und hi hats. aber nur tolle akkorde. in meinen nächsten arbeiten werde ich das sogar noch mehr tun und versuchen es noch besser zu machen. :-) natürlich mag ich starken techno “mit schub” sehr. :-) aber das heißt wirklich nicht, dass ich nicht auch andere stile mag.
 
housefloor.de: zu deinen lieblingsclubs zählen einige locations in tokyo und singapur. was ist für dich das besondere an diesen clubs in asiatischen metropolen?
marco bailey: asien hat einen besonderen platz in meinem herzen. die andere kultur. und außerdem ist es, weil alles immer perfekt organisiert ist: vom sound über das licht bis zu den leuten, die toll sind.
zum beispiel in japan. beim sound ist die qualität immer sehr hoch, was wichtig ist für den dj um den leuten ein gutes set zu geben. was ich außerdem sehr schätze ist folgendes: ich habe auch in verschiedenen kleinen locations in japan gespielt. manchmal machen die veranstalter nicht mal genug geld für sich selbst dabei, sogar wenn der club voll ist. aber die gastfreundschaft bleibt professionell und das lächeln auf dem gesicht für die musik bleibt da! einfach großartig!
 
housefloor.de: du kennst nicht nur die belgische sondern auch die deutsche szene ziemlich gut. welche unterschiede siehst du in den elektronischen musik-szenen in beiden ländern?
marco bailey: belgien ist kleiner als deutschland … :-) …
nein, ernsthaft: ich denke beiden ländern geht es richtig gut und sie haben viele qualitäten. es gibt viele gute produzenten. es gibt beide szenen auch schon viele, viele jahre. wir mit i love techno, dem fuse und dem silo club in belgien. deutschland mit dem omen, mayday, nature one, time warp, cocoon club, tresor club und so weiter. von den 90ern bis jetzt waren das alles große momente. es gibt zu viele gute sachen, um sie zu nennen.
ich hoffe, dass es mehr harmonie geben wird und ich hoffe, dass all die tollen partys da draußen an jedem wochenende nie aufhören! :-)
 
housefloor.de: in diesem sommer bist du an fast jedem wochenende von freitag bis sonntag in den clubs europas unterwegs. das kannst du ja nicht ewig durchhalten, hast du für den winter andere pläne?
marco bailey: wenn dein herz der musik gehört, wirst du nie müde! im gegenteil, es lädt dich wieder auf.
doch wirklich, ich werde „versuchen“ im januar ein paar tage frei zu nehmen. :-)
 
 
interview: alexandra heine
   
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