interview: "boogie pimps"
 
namen
marcus rudloff & mirko jacob
wohnorte
erfurt & weimar
club residencies
joue joue & joue joue
 
housefloor.de: wie können wir uns eure zusammenarbeit im studio vorstellen? gibt es eine konkrete aufgabenverteilung?
marcus: nicht wirklich. es ist jedoch meistens so, dass mirko als „gelernter“ drummer an den drumsounds arbeitet und ich harmonies & samplework mache.
die bassläufe entstehen jedoch immer in teamwork.
häufig ist es aber so, dass dem einen der song mehr liegt, dann übernimmt der lover oft die führung. in letzter zeit ist es so, dass, wenn ein song im groben steht, der andere schon am laptop den nächsten vorbereitet.
da wir doch viel zu tun haben mit touring, remixing undsoweiterundsofort.
housefloor.de: mirko hat mal als radiomoderator gearbeitet. warum hat er sich entschlossen full time dj und musiker zu werden?
marcus: eigentlich hat das radio selbst für mirko die entscheidung getroffen. :-)
im ernst, der spagat zwischen dj, producer und dem radiojob wurde mit zunehmendem erfolg der boogie pimps immer größer, so dass sich mirko schlichtweg entscheiden musste. und die entscheidung fiel in die bekannte richtung.
housefloor.de: marcus, du bist besitzer des joue joue clubs in erfurt. hast du neben dem auflegen und produzieren noch zeit, das booking selbst zu organisieren?
marcus: zu organisieren - leider nicht. die aufgabe hat stephano bei uns übernommen. als langjähriges mitglied der familie weiß er 100 prozent was geht und worauf unsere leute stehen.
meine funktion ist da „nur“ noch eine beratende, wenn es um die zusammenstellung der line ups geht und die frage, „wen man mal holen könnte“. den löwenanteil jedoch bestreitet, wie gesagt, stephano, einer unserer residents.
housefloor.de: die wogen eures hits „somebody to love“ aus dem frühjahr des vergangenen jahres haben sich mittlerweile geglättet. was hat sich seitdem in eurem leben verändert?
marcus: der terminplan als dj duo ist extrem angeschwollen. man bekommt merklich mehr platten für lau. man ist weitaus mehr im ausland unterwegs. der erfolgsdruck hat sehr stark zu genommen und die zeit um zum beispiel die fragen für interviews zu beantworten hat extrem abgenommen. : -)

wir werden aber auch nicht müde zu betonen, dass wir genau das wollten und wollen. mit rückblick auf 2004 kann ich sagen, wir sind schon sehr froh, dass der herrgott uns ein goldenes schippchen unter den popo gehalten hat.
housefloor.de: für die folgesingle „sunny“ habt ihr auf kuba ein video gedreht. welchen eindruck hattet ihr vom land?
marcus: back to our past. wie ihr wisst sind wir ja kinder der zone. das heißt die auswüchse von sozialismus und dem ganze ideologiescheiß kennen wir nur zu gut.
insofern waren das schon „strange feelings“ – sozialismus mit palmen hatten wir noch nicht so oft. es gab da aber einen unterschied der uns sehr überrascht hat, die kubaner lieben ihr land und lieben es kubanisch zu sein, trotz der wirklich harten lebensumstände. die ex-ddr mochte irgendwie keiner. wir auch nicht.
ich denke der film buena vista social club transportiert sehr viel vom kubanischen flair und dem warum.
wir waren leider nur zwei tage auf kuba, da wäre es vermessen ein bild von kuba zeichnen zu wollen.
housefloor.de: wie findet ihr videos im elektronischen bereich im allgemeinen: notwendiges promo-übel oder gehört das video für euch einfach zum titel dazu?
marcus: was ist der elektronische bereich? die grenzen gibt es doch schon lang nicht mehr.
das video gehört zu einem titel der erfolgreich werden will dazu, wie die radio version zur clubversion. egal ob beat oder nicht beat.
sicherlich kann ein video „nur“ bildwerk sein oder eben auch eine meisterleistung.
schön ist wenn der regisseur die bilder findet, die zu der musik des songs passen und dessen stimmung wiedergeben kann.
leider ist aber das video auch oftmals ein offensichtliches promo-übel, bei dem man die fernbedienung nicht schnell genug finden kann.

generell ist es aber so, dass ein video zu drehen schon ein art auszeichnung ist, denn dass trennt immer noch die spreu vom weizen. wenn es dann auch noch gesendet wird schlägt einem das herz schon höher.
eines ist nämlich leider sicher, ein video gehört nicht einfach zu einem titel aber es gehört meistens zu einem guten und das erfüllt einem dann schon mit stolz, wenn man sagen kann: „wir waren beim videodreh zu unser neuen single…“
housefloor.de: ihr wart im oktober und november 2004 auf australien-tour und habt dort in elf clubs gespielt. was ist euch in bezug auf die art des feierns der menschen dort aufgefallen?
marcus: uns fällt auf, dass in nicht euro ländern, die leute irgendwie mehr auf geld sch…, hauptsache die party rockt. logisch, ihnen wird ja auch nicht tag für tag der untergang prophezeit.
sonst können wir keine unterschiede feststellen. musik, im besonderen beat, ist sehr international - soll heißen - songs die rocken, rocken auch in down under, diese sprache sprechen wirklich alle. insofern können wir sagen, dass die australien tour sehr schön war und wir das gefühl hatten die leute tragen uns auf händen.
was jedoch der hammer ist, ist das feeling, wenn die leute so dermaßen zu deinen eigenen tracks abgehen, wie das die australier taten, dass treibt einem schon die gänsehaut den rücken hoch.
housefloor.de: ihr habt jetzt mehrere erfolgreiche produktionen veröffentlicht und seit zur zeit bei warner unter vertrag. habt ihr schon mal daran gedacht, wenn der vertrag ausläuft, ein eigenes label zu gründen?
marcus: jaein. ab und zu denkt man mal darüber nach, dann sieht man seinen zeitplan und verwirft den gedanken. wir sind eigentlich ganz glücklich bei superstar/warner und den druck des erfolges hat man auch mit seinem eigenen label.
sicherlich ist das eine option, wenn man mal etwas anderes machen will. derzeit spielt der gedanke aber keine rolle bei uns.
housefloor.de: die veröffentlichung von „sunny“ ist schon eine weile her. wann gibt's neues boogie-futter?
marcus: wenn die frucht reif ist. ihr wisst doch, von grünen äpfeln bekommt man bauchweh. wir ackern aber schon wie die wilden. ich denke bis märz wird da was kommen...
 
interview: alexandra heine
hier geht's zur boogie-page.
   
   
vinyl review :: boogie pimps - somebody to love
   
vinyl review :: boogie pimps - sunny
   
 
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