interview: dapayk & padberg




• • • eva padberg & niklas worgt • • •
• mo's ferry productions • berlin •
   
housefloor.de: ihr kennt euch schon seit der schule und seid seit vielen jahren privat ein paar. wie und wann habt ihr gemerkt, dass ihr auch musikalisch zusammen passt?
dapayk & padberg: niklas: das hat sich so über die jahre hin entwickelt. als wir uns kennen lernten, war ich eher von breakbeats und dergleichen angetan, eva stand mehr auf soul, rnb, pop und so weiter.

eva: wir haben uns mehr oder weniger gegenseitig beeinflusst. ich hab immer viel cds gekauft und niklas vorgespielt. ich kam logischerweise auch nicht darum herum, mir seine lieblingssachen anzuhören.
niklas: bei meinen ersten eigenen stücken hat sie hin und wieder mal was eingesungen oder gesprochen. das war aber nie wirklich durchdacht und geplant, vor allem aber von mir vorgegeben. man musste sie auch immer zu den aufnahmen „zwingen“.
eva: ich mochte mich eigentlich nie gern selbst hören!
   
housefloor.de: wie kann man sich eure zusammenarbeit vorstellen? wie entsteht ein song?
dapayk & padberg:

eva: da gibt es keine feste regel. klar ist niklas eher mit der technischen produktion beschäftigt, aber das endprodukt entsteht zusammen.

niklas: meist hab ich irgendeinen loop oder einen trackanfang und spiel’ den eva dann vor. sie lässt sich dann entweder einen text einfallen oder wir machen das zusammen. manchmal hat eva zuerst die textidee und ich versuch dann ein passendes arrangement zu finden. während unserer herbsttour ist auch viel live durch evas improvisationen entstanden. wir versuchen das dann im studio zu wiederholen - was manchmal klappt und manchmal auch nicht. gelegentlich schicken wir uns auch einfach ideen per mail zu und packen es dann beim nächsten treffen zusammen. da kommen häufig vollkommen gegensätzliche ansätze raus!

   
housefloor.de:

typisch für euch sind verknarzte sounds. erhaltet ihr auch im alltag ideen für diese sounds oder entsteht das meiste im studio?

dapayk & padberg: niklas: ich sample eigentlich alles was sich ergibt. mit mikro, aus filmen und so weiter. dass es bei uns dann so knorkst, ist aber weniger bewusst gewählt. das ergibt sich immer irgendwie.
 
housefloor.de: niklas, du produzierst seit 1993. am anfang hast du breakbeat und drum ’n’ bass gemacht. wie hast du zu deinem heutigen stil gefunden und wie hat eva ihn beeinflusst?
dapayk & padberg: niklas: das hat viel zeit gebraucht! ich steh auch immer noch auf gebrochene rhythmen. ich hab mich bis 1997 hauptsächlich damit beschäftigt und gerade beats für langweilig gehalten. zu dieser zeit hatte man als breakbeat-live-act in thüringen aber ein schweres leben. die leute haben das meist zwar abgenickt, aber nur die freaks haben getanzt. das hat mich mal so geärgert, dass ich auf einer party unter besagte breaks eine gerade kick gelegt habe und die leute tanzten! aus dieser erfahrung habe ich viel gelernt und bin beim rumprobieren immer weiter vom breakbeat abgekommen. ende 1999 wollte ich dann eine erkennbare abgrenzung hierzu erreichen und startete das nebenprojekt dapayk, bei dem ich bis heute geblieben bin.
 
housefloor.de:

eva, woher bekommst du ideen für deine texte? sind es worte, die dich faszinieren oder steckt oft - wenn auch manchmal verborgen – ein thema dahinter, das dich gerade sehr beschäftigt?

dapayk & padberg:

eva: es ist eine mischung aus beidem! ich muss schon in stimmung sein, um etwas zusammen zu bekommen. manchmal fängt es einfach nur mit dem klang eines wortes an
und endet dann bei einer ganzen strophe. gegensätze interessieren mich! ich sag nur „dirty white“. oft sind es auch vorurteile oder klischees, die mich entweder aufregen oder zum lachen bringen. manchmal soll der text auch nur eine stimmung unterstützen, wie bei „big city club“ und trägt keine tiefere botschaft. ich denke, das ganze ist so halbe/halbe. wir reduzieren den text meist aber sehr runter, um nicht die musik so zu verdrängen. eine reine strophenform wär’ mir zu „songlike“.

 
housefloor.de: niklas, du hast restaurierung studiert. was fasziniert dich an dieser arbeit und warum war es dir wichtig, das studium zu ende zu machen?
dapayk & padberg: niklas: ich hab mich immer schon für geschichte und daraus entstandene dinge interessiert. das ist bei uns auch so ein bissel familientradition. ich habe archäologen und museologen in der familie. da bleibt man nicht unberührt. außerdem arbeite ich unglaublich gern praktisch und da ist der tätigkeitsmix restaurator ganz günstig. ich genieße auch die ruhe, die entsteht, wenn man restauratorisch arbeitet. was vergleichbares gibt es nur im studio. momentan juckt es mir mächtig in den fingern wieder etwas restauratorisches zu machen, bin aber zu beschäftigt mit der labelarbeit.
wenn es mal mit der musik nicht mehr so läuft, kann ich auch noch zurück zum restaurieren. es ist für mich recht beruhigend eine alternative zu haben. abgesehen davon lag mir zuviel am studium, um es wegen der musik aufzugeben.
 
housefloor.de:

eva, du modelst auch. was macht dir mehr spaß: vor der kamera zu lächeln oder im studio zu sitzen um an sounds und vocals herumzubasteln?

dapayk & padberg: eva: mein hauptberuf ist das modeln. alles andere ist hobby oder mal reinschnuppern. beides hat seinen reiz! als model führst du aber eher die ideen von anderen aus. im studio ist man selbst der kreativere teil und bekommt keine vorschriften wie was jetzt auszusehen hat.
 
housefloor.de:

1997 habt ihr mo’s ferry productions gegründet. warum habt ihr genau zu diesem zeitpunkt diesen entschluss gefasst?

dapayk & padberg:

niklas: es gab eigentlich keinen festen gründungstag. ab 1997 haben wir den namen mo’s ferry prod. als überschrift für unsere produktionen benutzt. da alles aber nur im sehr kleinen rahmen stattfand und eher bezug auf meine unterschiedlichen live-projekte hatte, konnte man noch nicht vom label mo’s ferry sprechen.
der übergang zum label ging dann fließend mit dem hinzukommen von jan langhammer 2000 und der ersten größeren cd-produktion, der ersten vinyl 2001. wir hatten das nie geplant, sondern wollten eher so was wie eine produktionsfirma für andere leute sein.

 
housefloor.de:

ihr seit vor einiger zeit von erfurt nach berlin gezogen. in welcher der beiden städte ist das leben für euch schöner?

dapayk & padberg: eva: das kann man nicht vergleichen. erfurt ist wunderschön zum leben! ich hatte aber extreme schwierigkeiten mit der verkehrsanbindung. 2 1/5 stunden bis zum flughafen nach frankfurt oder 20 min. zum flughafen tegel sind schon ein großer unterschied. berlin ist diesbezüglich viel unkomplizierter. dennoch ist erfurt sehr angenehm. man hat eigentlich alles was man braucht und kommt sich sehr behütet vor. berlin ist manchmal schon einschüchternd durch seine größe und den facettenreichtum.

niklas: für die labelarbeit ist eine großstadt wie berlin schon geeigneter, weil sich hier alles trifft. man kann hier fast jeden tag der woche auf eine party gehen und leute aus der szene treffen, die meist sehr offen und interessiert sind. dennoch hänge ich auch noch sehr an erfurt und vor allem an thüringen. unsere wohnung in unserer heimatstadt bad frankenhausen behalten wir auch vorerst noch!
 
housefloor.de:

was war euer tollster gig/ tollstes auflege-erlebnis und warum?

dapayk & padberg: eva: ich glaub, das war unser auftritt im harry klein in münchen. der laden ist nicht sehr groß und man steht fast zwischen den leuten. man betritt den club und steht sofort auf der tanzfläche. hat also gar keine möglichkeit dröge in der ecke zu stehen. die leute reagierten auf jede kleinste bewegung und veränderung der musik. wenn man die hand hob, gingen alle anderen auch in luft! so eine stimmung überträgt sich natürlich auch auf uns auf der bühne!
 
housefloor.de:

was ist demnächst zu erwarten?

dapayk & padberg:

niklas: momentan erscheint erstmal unsere neue single „maze“. im september kommt dann das dapayk&padberg – album. wir sitzen momentan fleißig an tracks und sammeln ideen. außerdem erscheint demnächst eine vinyl von mossa aus kanada und danach eine von troy pierce von m-nus auf mo’s ferry prod.

eva: und ein sublabel!

niklas: und dapayk solo-releases auf karloff und orac! also viel zu tun!
wir müssen los...

 
 
interview: alexandra heine
 
 
reviews :: "maze" & "dirty white"
 
     
   
 
 
weitere infos auf eva's site und bei mo's ferry.
 
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