interview: dave clarke




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housefloor.de: auf deiner neuen mix-compilation „world service 2“, die mitte juni in deutschland erscheint, präsentierst du ein schnelles techno-set und ein ebenfalls sehr flott und hart gemixtes electro-set. warum ist es dir seit jeher wichtig musikalisch zweigleisig zu fahren?
dave clarke: ich liebe beide musikrichtungen und ich denke auch, dass es keinem der beiden genres eigentlich immer noch nicht genüge tut, jeweils nur von ein paar titeln auf einer cd repräsentiert zu werden.
   
housefloor.de: du hast in jüngster zeit unter anderem für artists wie depeche mode, underworld und viele weitere geremixt. was bedeutet dir ein remix: ist es eine arbeit für einen künstler oder hat ein remix für dich eine ganz neue, eigene tiefere bedeutung?
dave clarke:

ich muss irgendwas am original mögen und das gefühl haben, etwas frisches dazu tun zu können. ich mag es auch, etwas vom originalen klang zu erhalten und darauf aufzubauen.
es ist wichtig, respektvoll damit umzugehen, aber gleichzeitig keine angst vor veränderung zu haben. vielleicht lässt sich das so auch mit einer guten beziehung zu einem freund vergleichen.

   
housefloor.de:

du hälst auf deiner homepage einen sehr intensiven persönlichen kontakt zu deinen fans. nach gigs bedankst du dich bei den partygästen. was bedeutet dir dieser austausch?

dave clarke: ich kann sehr schüchtern sein bei auftritten. was aber nicht heißt, dass ich die aufmerksamkeit des publikums nicht zu schätzen weiß. es ist also meine art, danke zu sagen für die unterstützung und dafür dass, sie mein leben so großartig machen.
 
housefloor.de: während die meisten weiter auf die griffigkeit und das handling der vinyl schwören, legst du jetzt mit cds auf. warum bist du umgestiegen?
dave clarke: vinyl war toll, es war standard über so viele jahre. jetzt ist es zeit sich weiterzuentwickeln. es war mir manchmal richtig peinlich, vinyl zu spielen, wo ich so ein technischer mensch bin. das wichtige ist die botschaft (die musik) und nicht der bote (das format).
ich habe ewigkeiten gewartet bis der richtige cd-player auf den markt kam und ich mich sicher genug gefühlt habe für die umstellung. ich bin so glücklich, dass ich jetzt mit cd auf so vielfältige art auflegen kann. es war die richtige entscheidung für mich.
 
housefloor.de:

du hast mittlerweile in brasilien vor 25.000 menschen gespielt. in diesem jahr freuen sich die fast 30.000 besucher des sonnemondsterne festivals an der bleilochtalsperre auf deinen gig. kannst du bedeutende unterschiede in der art des feierns zwischen den menschen auf den verschiedenen teilen der welt beschreiben?

dave clarke:

nun ja, die brasilianer standen eher darauf mich intensiv zu beobachten als zu bestimmten schlüsselpunkten meines sets zu tanzen. und das kann auch anders herum passieren an anderen orten wie etwa in deutschland. es ist eine kombination so vieler sachen: das wetter, das temperament, das umfeld. das ist das schöne an festivals: du weißt nie was zu erwarten ist, das hält dich dabei.

 
housefloor.de: du betrachtest dich selbst als alternativen künstler. warum magst du keine kommerziele musik? ist es die pop-musik an sich oder der kommerz, der dich stört?
dave clarke: ich habe nichts gegen kommerzielle musik an sich. denn ich fühle mich ja auch mit musik verbunden, von der sich eine menge verkauft. traurig macht mich jedoch musik, die ausschließlich fürs geldverdienen gemacht ist, wo die idee & die absichten des tracks an zweiter stelle stehen. ich mag etwa system of a down, obwohl ich sagen würde, dass sie kommerziell sind, weil sie viel verkaufen. ich mag schon viele „pop“-scheiben, aber ich mag keinen schleimigen trance oder verwässerten techno oder rap, der ganz offensichtlich wie will smiths neues lied klingt. das macht mir richtige bauchschmerzen.
 
housefloor.de:

„what was her name?“, einen deiner größten clubhits, hast du ganz bewusst an deinem geburtstag geschrieben. bist du abergläubisch?

dave clarke: nein, das war ursprünglich als unterstützung für tiga gedacht. wir waren beide bei virgo. er schlug vor, dass es ein gutes omen wäre, einen titel am eigenen geburtstag zu machen. also hab ich das gemacht. er war dann aber erschreckt von dem track und hatte das gefühl, dass er dazu nichts passendes produzieren könnte. ein anderes mal vielleicht...
 
housefloor.de:

auf der bühne kommst du im vergleich zu vielen kollegen mit wenigen geräten aus. warum arbeitest du ausschließlich mit samples und verzichtest etwa auf drum machines und sequencer?

dave clarke:

wenn man vorprogrammierte drums oder ausgearbeitete sequenzen benutzt, dann sind das auch nur zeitlich begrenzte bausteine und da ist es viel effizienter diese teilstücke in einer maschine zu samplen und damit die ultimative kontrolle zu haben. ich hatte nie eine drum machine länger als ein paar wochen. mir wird schnell langweilig und dann sample ich sie.

 
housefloor.de:

wie müssen deine labelpartner beschhaffen sein? welche menschlichen werte schätzt du an leuten, mit denen du im musik-buisness zusammenarbeitest?

dave clarke: ich hatte nicht viel mit dem papierkram zu tun, aber die leute bei resist mit denen ich bei der täglichen arbeit zu tun hatte waren sehr umgänglich und zuverlässig. ich mag ehrlichkeit, standhaftigkeit und hart arbeitende leute, die mit liebe zum detail den überblick behalten. ich hasse schluderigkeit und ausreden. das kann mich total auf die palme bringen.
   
housefloor.de: du standst schon mit 16 auf eigenen füßen und hast anfangs hart dafür gekämpft mit musik deinen lebensunterhalt zu verdienen. mittlerweile wohnst du in einer der besten wohngegenden englands. was bedeutet es dir vom musik machen gut leben zu können?
dave clarke: vollständiges freisein von langeweile sowie einem einseitigen und aufgezwungenen leben. ich bin in einer priviligierten position, aber ich bin mir dessen total bewusst und weiß es zu schätzen. auch wenn ich verdammt hart dafür gearbeitet habe, es ist kein recht und man muss weitermachen, um sich seinen platz zu verdienen.
 
 
interview: norman schweitzer
 
 
weitere infos auf dave's site und bei resist & skint.
 
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