| housefloor.de: |
du bist seit 1998 resident im airport und seit 2002 im studio in würzburg. warum ist es dir wichtig, wöchentlich in festen residencies an den tellern zu stehen? |
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ralf gum:
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als resident kann man das publikum über die zeit erziehen und seinen abend so aufbauen wie man das will. man verfeinert gleichzeitig seinen eigenen style viel mehr, als wenn man in der peaktime loslegt und oft spätestens nach drei songs einen hit spielen muss. außerdem habe ich so mehr zeit für mein label und meine produktionen, da ständiges herumreisen sehr viel zeit und energie kostet. |
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| housefloor.de: |
was du über das harmonische anreihen von sounds zu musik weißt, hast du dir selbst beigebracht. du hast nie klavier-unterricht genommen und kommst auch nicht aus einer besonders musikalischen familie. woher stammt also deine liebe zur musik? |
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ralf gum: |
ich denke so etwas hat man im herzen. ich war sicherlich in musikalischer hinsicht kein frühstarter, aber ich habe mich zunehmend immer mehr mit musik beschäftigt. eine intensive auseinandersetzung mit musik begann ca. im alter von 17. vieles was ich heute über harmonie-lehre weiß, habe ich durch die zusammenarbeit mit crisp gelernt, der ausgebildeter pianist ist und noch einige andere instrumente beherrscht. |
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| housefloor.de: |
deinen speziellen sound leitest du ab aus dem us-house, dem du dich früh und als einer von wenigen hierzulande verschrieben hast. was ist in deinen augen das besondere an us-house und wie unterscheidet er sich von europäischem house? |
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ralf gum: |
us-house beinhaltet elemente aus jazz, soul, afro-cubanische oder lateinamerikanische elemente, harmonie und lyrics. er klingt für mich warm und deswegen angenehm. euro-house ist oft elektronisch, technoide und wirkt platt, was mich nicht anspricht. us-house ist inzwischen natürlich nur noch als eine genrebezeichnung zu verstehen. es gibt inzwischen überall produzenten, die den amerikanischen in nichts mehr nachstehen. |
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| housefloor.de: |
bei deinen produktionen legst du großen wert darauf, dass viele instrumente live eingespielt werden. viele sagen, es klingt einfach anders etwa als wenn das piano aus den geräten kommt. warum, glaubst du, ist das so? |
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ralf gum: |
elektronische töne klingen bei jedem anschlag gleich (zumindest bei gleicher anschlagstärke), da kann man ein instrument noch so oft „multisamplen“. zupft man allerdings zweimal an einer gitarrensaite oder drückt zweimal auf eine pianotaste wird man nie zweimal einen identischen ton hören, was den sound lebendig wirken lässt. außerdem ist es auf einem keyboard oft schwer das „feeling“ zu imitieren, dass ein musiker durch sein instrument transportieren kann. trotz alledem verwenden wir natürlich neben live-parts auch elektronische sounds und das vorher genannte geht durch das „loopen“ von live-eingespielten instrumenten wieder etwas verloren. |
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| housefloor.de: |
dein aktuelles projekt heißt sugar beat und besteht aus dir und dem drummer steffen meder. ihr macht eine atemberaubende live performance und produziert auch gemeinsam. wie seid ihr auf die idee gekommen? |
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ralf gum: |
die idee schlagzeug zum dj-set ist nicht neu. ich habe das anfang der 90er in einem new yorker club gesehen. steffen war von einem schlagzeuger aus england inspiriert. als wir uns das erste mal über den weg liefen beschlossen wir sofort genau das auch zu probieren. von beginn an haben wir super harmoniert und mit der zeit wurde daraus einfach blindes verständnis. wir kicken uns gegenseitig. das produzieren kam später dazu. ich wollte schon immer (auch) mit live-drums arbeiten und kann so neben meinem „straighten ralf-gum-house-style“ nun auch noch broken beats eben mit sugar beat machen. |
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sugar beat:
steffen meder
& ralf gum |
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| housefloor.de: |
du bist chef von gogo music, das sich mittlerweile als eines der international bekanntesten deutschen labels etabliert hat. als label-head hast du einen haufen arbeit, verantwortung und viele entscheidungen zu treffen. wie schaffst du das und hältst dabei trotzdem den kopf für inspiration frei? |
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ralf gum: |
das ist nicht immer leicht. wenn ich viel im büro bin besteht natürlich schon die gefahr, dass eine produktion darunter leiden könnte. ich komme dann erst abends, meist schon abgearbeitet zum musik machen. ich versuche das durch „phasen“ in denen ich mehr im büro oder mehr im studio bin zu vermeiden. es kann dann schon mal sein das ich für zwei wochen nur schnell die wichtigsten mails und anrufe beantworte und ansonsten im studio verschwunden bin. zum glück kamen dann bisher immer sehr schnell groove und inspiration zurück. |
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| housefloor.de: |
für gogo arbeitest du mit wenigen ausgesuchten künstlern zusammen, die du konsequent aufbauen willst. wie definiert sich in deinen augen das talent eines künstlers? |
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ralf gum: |
für einen musik-produzenten, musiker oder dj ist natürlich eine musikalische grundbildung und vor allem feeling unabdingbar. feeling würde ich wohl als talent bezeichnen. talent alleine reicht aber nicht aus sondern sollte durch verschiedene eigenschaften wie ehrgeiz, fleiß, zielstrebigkeit und soziale kompetenz ergänzt werden. außerdem ist mir wichtig, dass ich mit meinen künstlern auch eine persönliche ebene finde. nur so ist eine effektive und reibungslose zusammenarbeit möglich. für persönliche querelen habe ich keine zeit und nerven. |
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| housefloor.de: |
die house music in den clubs ist in den vergangenen jahren progressiver geworden und teilweise durch electro ersetzt. wie siehst du als vertreter von vocaligem und auch rhythmischem latin und afro house diese entwicklung? |
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ralf gum: |
es war in deutschland schon immer schwierig den leuten einen wirklich deepen soulful sound näher zu bringen. trotzdem war der „electrohype“ für mich natürlich nicht sehr erfreulich. ständige nachfragen nach „härterem“ sound sind natürlich nicht positiv für dj-set und laune. ich habe aber das gefühl, dass dieser trend schon wieder vorbei ist und sich das publikum nach melodien sehnt.
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housefloor.de: |
du bist seit 15 jahren dj und produzent und kannst dir nicht mehr vorstellen, in deinem ursprünglich gelernten beruf als bau- und wirtschaftsingeneur dein brot zu verdienen. denkst du, du wirst noch mit 60 im studio sitzen, an den knöpfen drehen und am wochenende die floors rocken? |
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ralf gum: |
die floors rocken will ich sicher nicht mehr. das sollen dann meine labelkünstler machen…
im studio an den knöpfen drehen werde ich hoffentlich noch - ohne die musik wäre das leben ein irrtum…
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portrait ralf gum |
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www.gogo-music.net |
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