| housefloor.de: |
seit sieben jahren hast du jetzt schon deinen plattenladen „flipside“ in düsseldorf. welche rolle spielt der laden in deinem leben? |
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herbert boese: |
flipside ist natürlich das größte projekt, das ich angegangen bin. das ganze birgt ein großes risiko, gerade bei der heutigen wirtschaftslage. aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
so ein laden kostet eine menge zeit, aber die leidenschaft zur musik macht das mehr als doppelt wett. ich bin in der glücklichen lage, mit meinem lebensinhalt arbeiten zu dürfen. |
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| housefloor.de: |
mit der gründung von flipside endete auch ein kapitel in deinem leben: dein studium der amerikanistik, vwl und politik an der bonner uni musste den anforderungen eines eigenen plattenladens weichen, du hast aufgehört. rückblickend, war es die richtige entscheidung? warum? |
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herbert boese: |
ich habe es bis zum heutigen zeitpunkt noch keine sekunde bereut! musik war schon immer der wichtigste punkt in meinem leben und die möglichkeit dies zum beruf zu machen, musste ich einfach ergreifen. jeden morgen freue ich mich auf meinen job und falls sich das ändern sollte, müsste ich mir ensthaft gedanken machen. ich denke, ich gehöre zu den wenigen menschen, die mit ihrer leidenschaft ihren lebensunterhalt verdienen können. einen plattenladen zu betreiben, aufzulegen und auch noch zu produzieren sind halt die ideale kombination. |
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| housefloor.de: |
im frühjahr 2005 ist dein label jaktronik an den start gegangen. warum war genau vor einem jahr für dich der richtige zeitpunkt dein eigenes label zu gründen und welche philosophie steckt dahinter? |
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herbert boese: |
bis zu diesem zeitpunkt habe ich, bis auf ein release zusammen mit patrick lindsey auf school rec. , „nur“ aufgelegt. ich war aber an einem punkt angelangt, wo ich einfach mehr wollte. ich habe vor ca. zwei jahren durch marc romboy von systematic rec. meinen heutigen studiopartner robert linde kennengelernt. dadurch wurde mir erst die möglichkeit gegeben, meine ideen in tracks umzusetzen. die zusammenarbeit klappt perfekt und mittlerweile verstehen wir uns fast blind.
musikalisch bin ich sehr durch die alte chicago und detroit schule geprägt, daher rührt auch der labelname. ich versuche den alten geist in neuem gewand darzustellen.
old school spirit in a new school fashion! |
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| housefloor.de: |
du stammst aus bonn, lebst aber seit vielen jahren in düsseldorf. du bist regelmäßig in ganz deutschland unterwegs, besonders aber kennst du alle düsseldorfer clubs wie deine westentasche. wie unterscheidet sich in deinen augen die szene in düsseldorf beziehungsweise in nordrhein-westfalen von der clubszene etwa im norden oder im süden der republik? |
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herbert boese: |
eigentlich ist düsseldorf, wie auch das ruhrgebiet eher kommerziell ausgerichtet. wenn man versucht anspruchsvolle elektronik zu spielen, stößt man dort schnell an die grenzen der akzeptanz. zu viele djs trauen sich zu wenig und bleiben musiktechnisch auf der allzu sicheren seite. in metropolen wie berlin oder frankfurt ist eine deutlich größere „szene“ mit mehr protagonisten vorhanden, die ein publikum auch mal fordern und nicht nur bedienen.
die harpune in düsseldorf, in der ich seit drei jahren als resident spiele, bildet da eine ausnahme zum allgemeinen clubgeschehen in nrw. natürlich gibt es eine vielzahl von kleinen clubs, die sich in meinen augen gute musik auf die fahnen geschrieben haben, aber ein projekt wie die harpune in düsseldorf zu starten, war schon ein sehr riskantes unterfangen. |
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| housefloor.de: |
als du angefangen hast aufzulegen, war hiphop dein style. silvester 1996 war dann aber schluss mit dem sprechgesang, seitdem legst du nur noch elektronische sounds auf. wie hast du diese entwicklung wahrgenommen und wie hat sich die entscheidung für dich herauskristallisiert? |
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herbert boese: |
stimmt nicht ganz. ursprünglich komme ich zwar von schwarzer musik, habe aber schon über jahre beide sparten unter verschiedenen namen aufgelegt. es war also eher ein fließender übergang als ein abrupter wechsel.
als hip hop immer erfolgreicher und kommerzieller wurde, wirkte sich das natürlich auch auf die parties aus. dies hat mir den spaß an diesen parties verdorben. aber ich interessiere mich nach wie vor noch für hip hop und meine sammlung geb‘ ich mit sicherheit nicht aus der hand. ;)
bei elektronischer tanzmusik hat man auch viel mehr möglichkeiten, der musik seinen persönlichen stempel aufzudrücken und etwas eigenes zu kreieren. |
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| housefloor.de: |
du bist musikalisch sehr vielseitig, dein elektronisches repertoire reicht von house über elektro und techno bis hin zu old school und 80ies originals. warum willst du dich nicht festlegen? |
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herbert boese: |
nichts ist langweiliger, als ein set, das sich über stunden auf einem level bewegt, keine höhen und tiefen aufweist und keine geschichte erzählt! |
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| housefloor.de: |
du legst besonders gern auch ältere original-tracks auf und hast seit 1987 viele klassiker gesammelt. warum ist es dir wichtig, viele klassiker in deine sets einzubauen? |
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herbert boese: |
so viele baue ich gar nicht ein, aber es ist halt sehr spannend, wenn man plastikman mit prince mixt und die reaktion des publikuns beobachtet.
außerdem sind die alten platten nun mal die wegbereiter dessen, was heutzutage in der modernen elektonischen musik passiert. ich denke, man sollte über die wurzeln des ganzen bescheid wissen und durch das spielen der alten maxis hält man ihren geist am leben. und nicht zuletzt haben sie einen gewissen charme, den ich bei neuen releases oft vermisse. |
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| housefloor.de: |
zu hause hörst du eher selten musik, im auto beispielsweise am liebsten hörspielkassetten. warum ist das so und was für hör-geschichten gefallen dir am besten? |
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herbert boese: |
gewinner sind ganz klar die drei fragezeichen, mit abstand! da ich beruflich mit musik arbeite, kommt es fast nicht mehr vor, dass ich mich zu hause hinsetze und mir bewusst eine platte von vorne bis hinten anhöre. nach täglich gut neun oder zehn stunden musik ist man ganz froh, mal was anderes um die ohren zu haben.
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housefloor.de: |
deiner ansicht nach macht einen guten dj vor allem viel erfahrung bei der kommunikation mit dem publikum aus. wie verständigst du dich im club mit den partygängern, wie nimmst du beim auflegen ihre vibrations auf? |
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herbert boese: |
die kommunikation mit dem publikum ist ein reiner erfahrungswert, das kann man nicht in einem seminar oder ähnlichem erlernen. ich spiele nun seit gut 15 jahren in clubs und bin froh, über diesen erfahrungsschatz zu verfügen.
das auf den punkt zu bringen fällt mir schwer, da es keine bestimmte formel gibt, nach der ich handle. das geschieht mehr aus dem bauch heraus. man muss immer ein auge und ein ohr für die tanzenden leute freihaben, um die stimmung aufzunehmen und dementsprechend zu handeln.
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www.jaktronik.com |
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