.:: housefloor interview :: miss yetti
 
   
wohnort
berlin
bürgerlicher name
henrietta schermall
geburtsjahr
im jahr des schweins!
housefloor.de: du bist ein kind der 80-er. das spiegelt sich auch in deinen bisherigen produktionen wider. welche einflüsse treiben deine musikalische entwicklung heute voran?
miss yetti: die aktuellen, musikalischen strömungen gehen auch an mir nicht spurlos vorüber. des weiteren ist es mein jeweiliges derzeitiges erleben und wahrnehmen was meinen sound stark beeinflusst.
 
housefloor.de: dein sound ist oft dark und melancholisch. bist du selbst auch ein eher nachdenklicher typ?
miss yetti: ja bin ich. ich denke viel und gerne. lasse aber auch gern mal los ;-)
 
housefloor.de: du hast psychologie studiert. benutzt du dein wissen darüber, wie menschen ticken, auch im alltag oder wenn du an einem track bastelst oder auflegst?
miss yetti: nein, das tue ich nicht. im studio lasse ich mich treiben und einfach alles zu, konzentriere mich auf die gegenwart. das ist ein eher spontaner prozess. ich mag es nicht, tracks nach einem bestimmten schema zu konstruieren. ich fange einfach an und höre dann auf, wenn ein track sich fertig anfühlt. dabei denke ich wenig, es geht dabei eher um die umsetzung meiner erlebnisse und wahrnehmungen. das auflegen hingegen ist für mich ein ganz kommunikativer prozess, bei dem ich mit der crowd interagiere und wir dabei gemeinsam eine reise unternehmen und dann mal schauen wo es so hingeht. ich kann niemals vorher sagen, was ich auflegen werde, also welche platten ich spielen werde, da es sich immer um eine andere reise handelt.
 
housefloor.de: um dein diplom neben dem auflegen und dem produzieren zu machen, braucht es eine menge disziplin. wie hast du die aufgebracht?
miss yetti: ehrlich gesagt, frage ich mich das heute auch manchmal... ich musste ständig prioritäten setzen und am ende meines studiums war es echt hart, da ich mein dj-leben, meine musikalische laufbahn hinten anstellen musste. das hieß, dass ich unter anderem auf super gigs und angebote verzichten musste :-(, weil ich sonst nicht hätte lernen können. und während meines studiums war es auch teilweise ganz schön absurd, wenn mich dann leute fragten: "und was hast du am wochenende gemacht?" und ich dann sagte: "ich war in mexiko auflegen.." oder so. ich musste ja montags immer wieder am start sein in der uni. am wochenende war ich dann irgendwo in der weltgeschichte unterwegs. eigentlich bin ich
ständig zwischen zwei verschiedenen lebenswelten hin- und hergependelt, was ich aber auch prima fand. die uni-welt hat mich irgendwie immer wieder geerdet.
 
housefloor.de: nach abschluss deines studiums hast du dich erst mal auf die musik konzentriert. resultat war dein erstes album (2003). du möchtest du aber auch irgendwann wieder als psychologin arbeiten. wie entscheidest du, wann du dich auf welchen der beiden pfeiler konzentrierst?
miss yetti: neben meinem musiker-dasein bilde ich mich ja auch noch ständig als psychologin weiter. ich möchte mich irgendwann gern als musiker/künstler-coach selbstständig machen. das heißt musikern und künstlern psychologische techniken und strategien vermitteln, damit sie dieses doch ganz anders geartete musiker- bzw. künstlerleben ganz easy meistern können. es ist nämlich gar nicht so einfach, wie man vielleicht denken mag und man ist mit vielen ungewöhnlichen, schwierigen situationen konfrontiert. ich habe mich ja auch total viel mit meinen kollegen über deren erlebnisse und gedanken unterhalten. zum beispiel hat nicht jeder spaß daran, dauernd allein durch die welt zu fliegen und wenig zu hause zu sein. jeder mensch hat sein ganz eigenes erleben. es ist ja nicht immer alles so glamourös. und gerade musiker führen ein nicht immer ganz so sozialkompatibles, einfaches gesellschaftliches leben.
naja, ansonsten möchte ich natürlich mein label weiter führen und musik machen.
   
housefloor.de: bis 1998 sind die meisten deiner produktionen bei liquid records und monoculture erschienen. dann hast du gold und liebe gegründet. warum hast du die entscheidung gerade damals getroffen? gab es da ein schlüsselerlebnis?
miss yetti: ja, weil ich einem label tracks angeboten habe und die jungs aber von mir verlangten, dass ich einen track ändern sollte. dazu hatte ich keine lust, weil der track für mich so fertig war und dann dachte ich mir: "dann schaffe ich mir eben meine eigene basis, um die musik veröffentlichen zu können, die mir gefällt." außerdem finde ich es unmöglich, wenn labelinhaber den künstlern reinreden. ich würde das nie machen.
 
housefloor.de: bei gold und liebe erscheint musik mit einer großen bandbreite. warum ist es dir wichtig, eine plattform für sounds zu geben, die nicht in kategorien passen?
miss yetti: weil ich kategorisierungen grauenhaft finde. menschen benutzen diese zwar im allgemeinen, um dinge einzuordnen. aber ich mag keine strengen schemata. gold und liebe hat ein ganz offenes konzept. ich tue mich auch echt sehr schwer mit diesen musikalischen einordnungen: techno, electro, house, tech-house, minimal etc. wer kann das denn alles so genau definieren und die grenzen ziehen? ich mag, wenn alles offen ist, man sich in musikalische grenzgebiete begibt, brücken schlägt.
 
housefloor.de: glaubst du, dass es für dich, weil du eine frau bist, leichter oder eher schwerer war, als djane und produzentin in der szene fuß zu fassen?
miss yetti: ich glaube, dass der einstieg leichter war, aber die jahre danach dafür viel schwerer. vor 14 jahren gab es ja auch kaum weibliche djs, das sorgte dann schon für aufmerksamkeit, die aber auch zur folge hatte, dass alles ganz genau beobachtet und beurteilt wurde. man muss sich als frau eine zeitlang einfach noch mehr beweisen, im vergleich zum männlichen pendant, glaube ich. das zieht sich durch sämtliche rollen und berufe. ich freue mich sehr, dass es immer mehr weibliche djs gibt, die tolle musik machen. allerdings glaube ich auch, dass sich qualität und individualität immer durchsetzen, egal ob der musiker männlich oder weiblich ist. und natürlich muss man an sich glauben, seinen eigenen weg gehen.
   
housefloor.de: du hast relativ früh in deiner karriere - schon ein, zwei jahre nach deinen ersten auftritten im rheinland - auch viele bookings im ausland bekommen. wie haben dich diese erfahrungen geprägt?
miss yetti: die haben mich sehr geprägt. fremde kulturen und andere länder haben für mich schon von kindheit auf an eine sehr große rolle gespielt. ich liebe es zu reisen und auf die ersten auslandsbookings habe ich mich ganz besonders gefreut, weil ich total neugierig war, auf das was mich da erwartet. ich habe so viele unterschiedliche menschen, mentalitäten und kulturelle werte allgemein kennen gelernt. ich glaube all das hat mich noch toleranter und offener gemacht, mehr die essenz zu beachten, als irgendwelchen popelkram.
   
housefloor.de: wenn du im ausland unterwegs bist, legst du ganz viel wert darauf, nicht nur kurz im club dein set runterzuspielen und wieder abzudüsen, sondern wirklich auch land und menschen kennen zu lernen. in welche drei städte kommst du am liebsten?
miss yetti: hmmm gute frage :-) ich denke dabei spontan an barcelona, an südamerika im allgemeinen und an tokio. ich liebe barcelona für die musikalische und kreative offenheit, südamerika insbesondere santiago de chile, rio und buenos aires für die herzlichkeit der menschen und tokio finde ich faszinierend, weil ich dort mit einem ganz anders gearteten wertesystem konfrontiert wurde/werde.
   
 
 
interview: alexandra heine
  
  www.gold-und-liebe.de
   
   
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cd-tipp :: miss yetti - insights (album)
   
dj-charts miss yetti
   
   
 
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