| housefloor.de: |
du hast im alter von 16 jahren auf gitarre gerockt und zu nirvana gebangt. wie bist du beim elektronischen gelandet? gab es da ein schlüsselerlebnis? |
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gabriel ananda: |
erstmal habe ich mich schon immer dafür interessiert, für schöne sounds und schöne klänge. dann hab ich auch im fernsehen gesehen, dass es so ravepartys gibt in england. ich bin dann auch auf diversen partys gewesen und fand das irgendwie alles ganz ok. dann hab ich sven väth in berlin gehört auf der love parade am nächsten tag im family park und das war für mich absolut ein schlüsselerlebnis, denn es hat einfach musikalisch alles getoppt, was ich bisher erlebt hatte. das war schon fast eine spirituelle erfahrung. |
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| housefloor.de: |
du versuchst mit deinen produktionen stets neu und anders zu klingen. warum willst du nicht einfach mal ein bisschen mehr mainstream machen? |
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gabriel ananda: |
wichtig ist mir vor allem, dass es spannend für mich bleibt, denn dann ist die musik auch einfach spannender und klingt nicht abgedroschen. mir ist es nicht grundsätzlich wichtig, dass es neu klingt. es muss irgendwie frisch sein, irgendwie belebend sein, muss gefühle auslösen. es darf nicht vermottet klingen, aber es muss auch nicht immer das rad neu erfunden werden. |
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| housefloor.de: |
wo und wie holst du dir die inspiration für deine titel? brauchst du für deine ideen ruhe und entspannung oder eher action und erlebnisse? |
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gabriel ananda: |
teils, teils. eigentlich inspiriert mich alles, was im leben so passiert. ich brauch natürlich ruhe, um tief aus meinem inneren etwas schöpfen zu können. wenn ständig action ist, kriegt man gar nicht mit, was in einem los ist. deshalb brauche ich ruhe. aber auch das leben mit allen hochs und tiefs und der ganzen hektik, das inspiriert mich natürlich auch. am wichtigsten ist mir, dass ich merke, was mit mir selber los ist und das dann musikalisch mitteilen kann. und emotionen entstehen ja in einem selber und wenn man die musikalisch umsetzen will, dann muss man ja überhaupt spüren, was ist grad mit mir los. |
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| housefloor.de: |
ist das auch so eine art selbstfindung? |
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gabriel ananda: |
im prinzip schon. für mich gehört das zum job, das ist teil meiner arbeit.
also, es gibt ja leute, die haben ideen im kopf und konstruieren was daraus. da kommen unter umständen vielleicht auch mal schöne sachen bei raus. aber mein weg ist absolut aus dem bauch zu schöpfen und dann einfach was absolut authentisches zu machen. das ist das ideal, das ich anstrebe. |
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| housefloor.de: |
dich kann man keinem bestimmten genre zuordnen, denn deine releases variieren stark. entscheidest du vor, während oder nach dem produktionsprozess eines track über tempo und musikrichtung? |
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gabriel ananda: |
das entsteht einfach so. ich so versuche musik zu machen, wie ich mich fühle. wenn ich zum beispiel grad total erschöpft bin, dann mache ich gerne auch mal was ruhigeres, was mir energie gibt. und wenn mir die sonne aus dem arsch scheint, darf’s halt auch mal so richtig abgehen. |
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| housefloor.de: |
du hast sehr früh dein eigenes label gegründet. karmarouge gibt es seit 2000, richtig? |
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gabriel ananda: |
eigentlich haben wir's schon 1999 gegründet, mit alex multhaupt zusammen. ich mach das aber selber eigentlich gar nicht mehr so richtig. also ich bin noch total dabei, hör mir alles an, spreche über alles. aber das label betreiben tun jetzt alex multhaupt und tom weecks und ich bin mehr im hintergrund tätig. |
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| housefloor.de: |
kümmerst du dich jetzt mehr um deine eigenen produktionen? |
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gabriel ananda: |
ja, das frisst einfach all meine energie, die ganzen auftritte, die produktionen. es kommen jetzt noch etliche remixe von mir raus. ich kann einfach nicht anders als von morgens bis abends zu arbeiten. |
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| housefloor.de: |
du arbeitest auch mal mit anderen künstlern zusammen. suchst du dir gezielt studiopartner, die stilistisch zu dir passen? |
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gabriel ananda: |
grundsätzlich kommt es eigentlich eher durch freundschaft zustande, dass man zusammenarbeitet. wichtig ist aber auch eine ähnliche art der musikwahrnehmung. zum beispiel mit leuten, die nur aus dem kopf heraus arbeiten, könnte ich nicht so gut zusammenarbeiten. leute, die musik so ähnlich empfinden wie ich, mit denen geht das. aber das muss nicht unbedingt der gleiche stil sein, sogar gerne auch ein anderer stil. mit dominik eulberg zum beispiel oder mit tobe hab ich grad was gemacht, das kommt irgendwann mal raus, das ist auch ein anderer musikstil. aber irgendwie ist das herz da ähnlich, das ist mir wichtig.
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housefloor.de: |
was schätzt du denn an menschen, auf die du bei deiner arbeit triffst? |
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gabriel ananda: |
dass sie authentisch sind und dass sie wirklich idealistisch bei der sache sind, das ist für mich das wichtigste. dass sie das aus freude machen und nicht nur irgendwie cool sein wollen.
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housefloor.de: |
welchen anteil hatten gigs und club residencies im verhältnis zu deinen releases aus deiner sicht an deiner karriere? |
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gabriel ananda: |
ich glaube, dass die produktionen absolut maßgeblich für meine karriere waren. allerdings nicht ihre masse oder die vielseitigkeit, sondern ganz ernüchternd waren es eigentlich die zwei hits, die ich rausgebraucht habe. ein bisschen traurig, aber das ist halt so. „süßholz“ und „glücksmelodie“ haben, schätze ich, 70 prozent meiner karriere ausgemacht. dann noch 15 prozent die anderen veröffentlichungen und 15 prozent die auftritte, das ist meine einschätzung. obwohl, die auftritte bekommen jetzt immer mehr gewicht.
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housefloor.de: |
wer hat neben dir selbst den größten einfluss auf deine musik? |
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gabriel ananda: |
das will ich gar nicht anfangen, aus angst jemanden zu vergessen. es inspiriert mich eigentlich fast jeder, auch aus anderen musikbereichen. leute, die dinge sehr deutlich auf den punkt bringen, inspirieren mich wie björk mit ihren unglaublich extremen emotionen oder richie hawtin mit seiner präzision.
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housefloor.de: |
spielst du freunden und familie neue tracks von dir vor und willst wissen, wie sie die finden? |
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gabriel ananda: |
auf jeden fall. wenn ich ein stück fertig gemacht hab, dann ist erst mal alarm. dann muss jeder aufspringen, in mein zimmer kommen und es sich anhören.
ich lass mich dann auch kritisieren. wenn die sagen, die stelle ist noch nicht gut, dann überleg ich mir das noch mal, ob ich da noch mal rangehe.
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housefloor.de: |
bist du ein politischer mensch und wie weit einfluss hat das tägliche weltgeschehen auf dich? |
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gabriel ananda: |
das beeinflusst mich auf jeden fall. ich kenn mich zwar nicht so wahnsinnig gut aus, aber ich denke, die schlimmen dinge, die passieren, geschehen, weil einzelne leute einfach so fern von sich selber sind und fern von dem, worauf es im leben ankommt: auf menschlichkeit. wenn man in der welt was verbessern will, muss man selbst bei sich anfangen und versuchen sich selber wahrzunehmen und an seinen fehlern zu arbeiten. wenn man jemandem was gutes tut, dann überträgt sich das.
wenn man gutes gibt, kann man ganz schön viel verändern in der welt.
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