.:: housefloor interview :: thomas schumacher
 
   
   
   
 
housefloor.de: wie hast du angefangen dich für elektronische musik zu begeistern
und was fasziniert dich daran?
thomas schumacher:

ich bin der meinung meine musikalische sozialistation unterscheidet sich nicht so sehr von der vieler anderer meiner generation. als teenager in den 80ern mit der schlagermusik aus den 60ern und 70ern im elterlichen haus konfrontiert worden, dann angefangen radio zu hören, pop-musik gut zu finden, cassetten aufzunehmen, formel 1 zu glotzen - es hat nicht lange gedauert bevor ich anfing mir schallplatten zu kaufen. ich war damals sofort begeistert von musik. ich habe mir einfach alles angehört und aufgenommen, vollkommen stil-übergreifend. das "aha"-erlebnis kam 1984, als ich das album
"construction time again" von depeche mode hörte. das hat mich komplett
umgehauen, all diese elektronischen sounds, dazu die melodien und der coole gesang. ich bin eigentlich sofort zum depeche mode fan geworden und habe angefangen mich intensiv für elektronisch produzierte musik zu
interessieren. bis heute finde ich die möglichkeit jegliche idee in meinem
kopf sofort umsetzen zu können fantastisch.

 
housefloor.de: anfang juni erscheint auf spielzeug dein album "home" mit zwölf minimalen und sehr drum-betonten tracks. wieso klingt "home" so, wie es klingt und was inspirierte dich, den minimalen weg einzuschlagen?
thomas schumacher: ich bin nicht der meinung das "home" minimal im eigentlichen sinn ist. das
wär auch nicht gewollt, den ich stehe nicht so sehr auf diese total reduzierten minimaltracks. die idee, die mich für die aufnahmen zu home inspiriert hat war es, den schumacher sound mit einer neuen mitteln zu
definieren, da sich in mir etwas verändert hat. minimal war da eher unser ansatz mit wenigen sounds eine gewisse sturktur zu kreieren. wir, das heißt mein co-produzent stephan bodzin und ich, haben die sounds sehr aufwendig programmiert um in der lage zu, diese über die gesamte länge eines tracks modulieren und manipulieren zu können, ohne das sie dabei zu minimal oder zu vorhersehbar wirken. es gibt nicht eine einzige melodie oder einen einzelnen sound auf diesem album der überflüssig ist. die kernelemente meiner songs waren und sind immer emotion, intensität und funktionalität.
und genau das findet man auf home.
 
housefloor.de: wer hat den größten einfluss auf dich und deine musik?
thomas schumacher: abgesehen von den vielen inspirationen die der alltag mit sich bringt sind
es sicherlich meine dj gigs und das reisen. jedes set und jedes publikum ist
anders und bringt mir neue kicks, erkenntnisse und ideen. gerade weil ich in
meinen sets viele eigenproduktionen spiele ist der einfluss den die
reaktionen der leute auf mich haben enorm. für mich war das schon immer eine
perfekte kombination, produzieren und aufzulegen.
 
housefloor.de:

wie sehr gehst du mit technischen neuerungen um? denkst du, dass
sich auf lange sicht die neuen techniken des auflegens mit cds oder gar das pc-mixing durchsetzen werden?
was präferierst du selbst?

thomas schumacher: ich bin grundsätzlich schon neugierig und interessiere mich für neue technologien. allerdings bin ich kein technik-freak der ständig auf messen
rumhängt oder sich als beta-tester für die industrie verdingt. momentan
arbeite ich mit einem rein digitalen set up im studio und finde das sehr
spannend. es kann aber auch sein das ich in 2-3 jahren wieder die alten
synthies aus dem schrank hohle und mein outboard equipment wieder zum
einsatz kommt.
dj technisch bevorzuge ich weiterhin vinyl, bin aber auch entspannt wenn es darum geht mit cd's aufzulegen, schliesslich spiele ich die eigenen sachen ja von cdr. final-scratch mag ich nicht da ich der meinung bin das hier die technik der musik einen bärendienst erweist. denn der ehrliche, gutverdienende star dj der sich die musik grundsätzlich kauft ist nun mal in der absoluten minderheit wenn es um die masse der final scratch user geht.
für viele sieht es doch so aus. 1x geld in die technik investiert und danach
nie wieder geld für musik ausgeben. buh!
ableton live finde ich für bestimmte anwendungen im re-wire betrieb im
studio interessant, allerdings denke ich das die zeit der perfekten aber oft
langweiligen ableton dj mixe vorbei ist. oder man geht wirklich kreativ mit
der software um.
 
housefloor.de: welche rolle spielt der technische fortschritt für deine eigenen
produktionen und im allgemeinen für deine karriere?
thomas schumacher: keine, um ehrlich zu sein. der fortschritt bedeutet manchmal eine gewisse vereinfachung von prozessen aber am ende des tages zählen einzig und allein die ideen die man im kopf hat. wenn diese richtig gut sind findet man immer einen weg die in spannende musik umzusetzen, ob nun mit dem neusten software plug in oder billigen alten synthies.
   
housefloor.de: reagierst du beim plattendrehen auf die vibrations der partycrowd
oder ist dein set weitestgehend vorstrukturiert?
thomas schumacher: meine sets sind natürlich nicht vorgeplant, das ginge ja auch gar nicht, da jede party eine eigene dynamik hat. klar gibt es bestimmte mixe, die man häufiger bringt wenn man sehr viel auflegt und ich spiele gern ein paar klassiker in meinen sets. die eigenen titel sind bei mir die pfeiler beim drehen und meistens auch die peaktime tracks auf die die leute warten und abfeiern.
 
housefloor.de: was ist immer in deinem kühlschrank zu finden?
thomas schumacher: momentan ist das soja-milch in allen varianten.
 
housefloor.de: welche tendenzen siehst in der elektronischen musikszene?
thomas schumacher: die tendenz alles was angesagt ist, möglichst schnell wieder uncool zu
finden.
 
housefloor.de: welche karriere-ziele steckst du dir für die zukunft selbst noch?
thomas schumacher: eine amtliche live tournee mit elektrochemie 2007!
 
   
cd-tipp "home" thomas schumacher
   
thomas schumacher "home" radio mix
   
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