.:: housefloor interview :: matthew herbert
 
   
neuestes album
score
release
26. märz 2007
label
!k7
   
housefloor.de: warum hast du bei deinen filmkompostitionen auf den durchaus sehr üblichen einsatz eines großen orchesters verzichtet?
matthew herbert: vom künstlerischen aspekt aus gesehen finde ich es wirklich armselig, dass ein symphonieorchester aus dem 19. jahrhundert als das einzig angemessene medium für einen kommerziellen film – egal welchen genres - gesehen wird.
es ist vollkommen absurd, dass dieses prinzip sogar auf einen film wie minority report, der ausschließlich in der zukunft spielt, oder bei troja, der vor tausenden von jahren spielt, angewendet wird. viel zu oft wird die musik nicht in direkte relation zum film gesetzt.
   
housefloor.de: welche hauptmerkmale unterscheiden das schreiben von filmmusik von der produktion deiner anderen alben?
matthew herbert:

allgemein ist es sehr viel leichter, filmmusik zu schreiben. aber oft ist es auch schwieriger, weil man mit jemandem zusammenarbeiten und psychologisch vorgehen muss. es ist leichter, weil man bei einem film immer versucht, eine bestimmte atmosphäre herzustellen. und wenn jeder bei der produktion eines films ordentlich arbeitet, dann ist diese atmosphäre schon vorhanden. also ergänzt oder verstärkt man sie nur. in einem modernen studio kann man alles in jeder stilart schreiben, jederzeit und jedem genre zuordnen. man kann tausend verschiedene wege einschlagen.
im gegensatz dazu werden beim film die grundlegenden entscheidungen für einen getroffen. allerdings ist der psychologische aspekt schwieriger, denn man muss dem regisseur bei der komplexen und verzwickten aufgabe helfen, einen film mit musik zu unterlegen, ohne zu über- oder untertreiben oder zu klischeehaft zu wirken.

 
housefloor.de: bis jetzt hast du größtenteils musik für europäische filme gemacht. hast du es absichtlich vermieden, aufträge von u.s.-firmen anzunehmen?
matthew herbert: mein film-agent sitzt in paris und spanien, also kommen die meisten aufträge von dort. ich habe auch bei einigen britischen filmen mitgewirkt. wenn man keinen besonders einflussreichen agenten hat, ist es fast unmöglich, da reinzukommen. deswegen habe ich kaum für amerikanische produktionen gearbeitet. ich weiß aber auch nicht so ganz, ob ich will, dass geschäftsentscheidungen meine künstlerischen intentionen überschatten.
ich glaube, dass man in europa eher einen film um des filmes willen macht, insbesondere, wenn es sich dabei nicht um eine mainstream-produktion handelt. dort hat man definitiv mehr leidenschaft für das handwerk an sich. französische regisseure würden nie etwas wie police academy 6 machen. in hollywood-filmen findet man diesen tief verwurzelten, zynischen, ausbeuterischen aspekt, den es in anderen ländern nicht gibt. ich denke, das überträgt sich auch auf die musik: musik wird zu einem funktionellen teil der ganzen erfahrung, ebenso wie das popcorn. im europäischen film macht man sich tendenziell mehr gedanken.
 
housefloor.de: du hast bei den meisten stücken auf score mit demselben arrangeur, pete wraight, zusammengearbeitet. wie läuft die zusammenarbeit?
matthew herbert: die beziehung zwischen komponist und arrangeur ist sehr wichtig. ich verfüge einfach nicht über das können, die erfahrung oder die zeit, jeden einzelnen part für jeden musiker auszuarbeiten. deswegen arbeite ich immer mit einem score-schreiber zusammen.
ich vergleiche das gerne mit der beziehung zwischen architekt und maurer. der architekt entwirft das große ganze, aber der maurer setzt stein auf stein und ist dafür verantwortlich, dass das haus auf festem boden steht. mit pete wraight habe ich so eine beziehung. er hat die meisten meiner arrangements ausgearbeitet und auch schon auf dem big-band-album mit mir zusammen gearbeitet. das ist für mich äußerst praktisch und stellt eine art sicherheitsnetz dar, durch das ich sicherstelle, dass ich nichts unerträglich geschmackloses schreibe. insbesondere bei filmmusik besteht die gefahr, dass man einen track sehr viel emotionaler als nötig anlegt.
 
housefloor.de: normalerweise hältst du dich in bezug auf originalität an sehr strikte regeln. hast du auf score auch so gearbeitet?
matthew herbert: ich versuche, in jedem film eine einzigartige musikalische sprache zu erschaffen. ganz klar ist es am einfachsten, die geräuschkulisse am drehort aufzunehmen und in den film selbst einzubinden.
wenn ich zum beispiel einen percussion-track für einen film über autorennen produzieren würde, wäre es logisch für mich, all die mit dem rennen verbundenen geräusche einzuarbeiten, um die grundstimmung zu verstärken. in der musik werden geräusche einfach nur in eine organisierte form gebracht. und in einem film hat man sowieso schon den großteil der geräusche arrangiert. durch die musikalische untermalung geht man einfach nur einen dialog ein.
 
housefloor.de: eine der kompositionen auf dem album hast du für la confiance règne geschrieben, einen film von dem französischen regisseur étienne chatiliez. und vor kurzem hat er eine weitere komposition bei dir in auftrag gegeben, stimmt’s?
matthew herbert: stimmt genau. wir haben die aufnahmen im studio one in der abbey road gemacht. dort wurden auch die star-wars-filme vertont. bei dem film handelt es sich um ein musical namens „agathe clery“. es geht um eine weiße rassistin, die plötzlich schwarz wird. étienne ist ein meister des schwarzen humors. wenn man ein film-musical macht, dann übernimmt man die ganze historie davon, von fred astaire bis hin zur west side story. die musik hat dabei einen ganz anderen sinn und zweck. die konzeptuelle seite muss der musik, die die erzählung sehr bombastisch und überzogen voranbringt, weichen.
man muss sich einiger kunstgriffe bedienen. es bringt überhaupt nichts, wenn man das ganze nur um seiner selbst willen komplex macht. bei einigen der besten musical-filme wie „cabaret“ und „guys and dolls“ ist die musik äußerst komplex und durchdacht, aber immer schwingt eine unglaubliche leichtigkeit mit. und es ist eine echte herausforderung, die songs ungezwungen aus dem zusammenhang herauszunehmen. deswegen schreibe ich wohl gerade mein traditionellstes werk, eines für ein großes orchester.
   
housefloor.de: wie würdest du „score“ ganz kurz auf den punkt gebracht beschreiben?
matthew herbert: score ist ein epos herausragender, aufwühlender und euphorischer geräuschkulissen. das album ist action-abenteuer, verfolgungsjagd-thriller, romantische komödie und emotionales psychodrama in einem.
macht euch bereit für eine reise in die welt des films!
   
   
   
   
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matthew herbert artist profile
   
 
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