.:: housefloor interview :: butane
 
   
name
andrew rasse
wohnort
berlin & st. louis
geburtsjahr
1979
   
housefloor.de: im märz ist dein neues album „becoming“ erschienen. als du mit der arbeit dafür begonnen hast, gab es da ein konkretes konzept wie es sich anhören sollte oder hat sich der sound eher während des produzierens entwickelt?
butane:

ich beginne nie mit einer vorgefassten vorstellung davon, wie meine musik klingen soll, und dieses album war da keine ausnahme. innerhalb des allgemeinen rahmens von 4/4 tanzmusik für djs versuche ich ganz offen ins studio zu gehen, um zu sehen was dabei herauskommt. ich versuche die musik erst zu bewerten, wenn sie fertig ist, um zu sehen was man daraus machen kann. als ich nach berlin gezogen bin, hatte ich diese vage vorstellung, ein album machen zu wollen. letztendlich muss aber alles genau zusammen zu passen, sonst funktioniert das projekt nicht. im prozess des schreibens der musik wurde offensichtlich, dass der musik ein gemeinsames leitmotiv zugrunde liegt. daraus hat sich das übergreifende konzept des albums entwickelt.

 
housefloor.de: du hast über das album gesagt, dass du etwas ein wenig anderes machen wolltest, als deine bisherigen single-veröffentlichungen. hat das funktioniert? wie schätzt du deinen sound selbst ein?
butane: ich kann meine eigene musik nicht so gut einschätzen, bevor nicht einige zeit vergangen ist. und die track-sammlung ist ja nun ziemlich neu, daher kann ich schwer einschätzen, ob sie so geworden ist, wie ich gedacht habe. ich denke schon, dass die stücke um einiges tighter klingen aus technischer sicht. einige tracks haben auch mehr ein funktionales feeling, vielleicht etwas weniger experimentell als meine frühen arbeiten. jetzt klingt das album für mich ein bisschen kalt, aber das ist nicht überraschend, denn es wurde mitten in einem kalten, deprimierenden berliner winter produziert (lacht). aber es ist auch einiges an gefühl und charakter in „becoming“ und darauf hatte ich gehofft.
 
housefloor.de: vor über einem jahr bist du nach berlin gezogen. warum hast du dich dazu entschlossen und wie hat der umzug deine musik beeinflusst, vielleicht den sound deines albums?
butane: ja, wie ich grad schon erwähnt habe, der umzug nach berlin hatte direkten einfluss auf das album. es ist hart, seine familie und freunde zu verlassen. und dann im winter nach berlin zu kommen, ist nicht gerade einfach für jemanden, der es gewohnt ist in den blauen himmel und die sonne zu schauen auch im winter. der positive aspekt am umzug ist, dass ich mich so ausschließlich auf meine musik konzentrieren konnte und ich glaube, das merkt man auch an der liebe zum detail, mit der ich an jedem track gearbeitet habe. hierher zu ziehen und ein professioneller musiker und dj zu werden, hatte große bedeutung für mich, um dieses album produzieren zu können. und ich glaube, das meinen sound weiterhin beeinflussen solange ich hier bin. wie bei den meisten leuten beeinflusst mich mein umfeld sehr.
 
housefloor.de: dein label alphahouse records gilt als eines der vorreiter-labels für minimalen techno und house in nordamerika. mit welcher philosophie betreibst du alphahouse?
butane: für mich ist das ein projekt aus leidenschaft, eine plattform für meine musik und die meiner freunde. als ich das label angefangen habe und noch in st. louis wohnte, habe ich das label anders betrieben. dort hatte ich sehr viel zeit mir demos anzuhören und extra arbeiten für das label zu machen. jetzt wo ich in berlin bin, muss ich meine zeit besser ausbalancieren zwischen auflegen, produzieren und label-arbeit. das ist manchmal ganz schön viel. ich hoffe irgendwann im kommenden jahr einen label-manager anstellen zu können, mit dem ich dann zusammenarbeiten kann, um weiterhin neue und interessante musik rauszubringen.
 
housefloor.de: manchmal spielst du auch ein live-set. wie unterscheidet es sich von deinem dj-set?
butane: nun ja, ich habe erst zwei mal live gespielt, im watergate in berlin und im demf in detroit. das ist für mich ehrlich gesagt nicht so interessant. ich mache sehr gern alleine im studio meine musik. ich bin nicht so selbstbewusst was meine eigene arbeit betrifft, deshalb ist es immer etwas komisch für mich, sie vor vielen zu performen. ich war zuerst dj und wurde dann produzent. auflegen ist für mich die interessantere art und weise vor leuten aufzutreten. ich sammle die ganze fantastische musik und wenn ich auflege, habe ich das gefühl, teil der party zu sein. ich habe mindestens genauso viel – oder sogar mehr – spaß dabei wie die menschen, für die ich spiele.
   
housefloor.de: um alphahouse zu betreiben arbeitest du mit einigen leuten zusammen. welche eigenschaften schätzt du an menschen, mit denen du zusammenarbeitest?
butane: nun, zur zeit organisiere ich das label selbst, aber für die alphahouse party in st. louis ist mein freund bryan zuständig. ich hatte immer großartige freunde, die bereit waren mir zu helfen bei was auch immer ich gerade brauchte und ich schulde ihnen echt viel angesichts des erfolgs von alphahouse. einige der eigenschaft, die ich an denjenigen, die mir geholfen haben bewundere, sind selbstlosigkeit, ehrgeiz, hingabe und enthusiasmus. jeder ist bereit, die party oder das label oder das projekt über ihre eigenen interessen zu stellen und das ist es, was es so besonders macht.
  
housefloor.de: mit den alphahouse partys, die du hauptsächlich in den jahren 2003 und 2004 veranstaltet hast, hast du die minimale musik in deine heimatstadt st. louis gebracht. wie haben die leute reagiert, als du das erste mal den neuen sound gespielt hast?
butane: das waren gemischte reaktionen. wir waren jung, neu in st. louis und hatten keine ahnung von dem, was wir taten. wir haben uns einem begehrten, intimen und musik-orientierten club in st. louis unsere vision vorgestellt und sie mochten die idee. das war so ein club, in dem all die wichtigen musiker der stadt abhingen, und ich glaube, die anderen veranstalter in der stadt waren ziemlich verblüfft, dass wir eine partyreihe dort bekommen haben ohne je zuvor eine party organisiert zu haben. und wir haben nie ihr einverständnis gebraucht und haben nie ältere djs aus der stadt gebeten bei unseren partys auflegen. das war eine total neue partycrowd und ich glaube, viele der übersättigten, alten szenegänger hassten uns. aber das sind nicht die leute, über die man sich gedanken machen sollte. wir haben den club vollgemacht mit leuten, die etwas neues und frisches wollten. diese partys waren unglaublich und sind es immer noch!
 
housefloor.de: was können wir in naher zukunft von dir erwarten und was sind deine langfristigen ziele?
butane: in naher zukunft erscheinen einige remixe von mir: einer für alphahouse und einer für die jungs von siteholder in chicago. was meine ganz eigene musik betrifft, habe ich da einen haufen von tracks, die vielleicht ein weiteres album sein könnten. darüber spreche ich zur zeit mit einigen labels. vielleicht werden auch zwei eps draus, das kommt eben drauf an, wie wir uns letztlich entscheiden. mir gefällt allerdings der gedanke, dass die stücke zusammenbleiben. naja, wir werden wohl abwarten müssen.
langfristige ziele habe ich in diesem business gar nicht. ich möchte eigentlich nur weiter musik machen und platten sammeln und auflegen solange ich es spannend finde. ich schätze, ein langfristiges ziel ist es, mit dem auflegen aufzuhören bevor das klingeln in meinen ohren unerträglich wird. ich habe auch eine leidenschaft für essen und wein. vielleicht ergibt sich ja mal was, bei dem ich meine liebe zur musik mit diesen beiden dingen verbinden kann. es wäre ein traum, eines tages mal eine eigene weinbar in australien zu haben.
 
interview: spacelounge
   
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