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housefloor interview :: brian sanhaji
 
 
wohnort
frankfurt/main
labels
enable | sonata | clr
album
'stereotype' ›››
housefloor.de: kürzlich ist dein debütalbum „stereotype“ ›› erschienen, mit dem du beweist, dass du außer straightem techno auch noch andere styles produzieren kannst. wie können wir uns den produktionsprozess vorstellen?
brian sanhaji:

insgesamt habe ich drei jahre an dem album gearbeitet. ich bin eh ein perfektionist und arbeite super lange an einzelnen tracks, und das war bei meinem album natürlich noch viel schlimmer. insgesamt habe ich bestimmt 150 tracks angefangen und nicht beendet. aus allen nicht beendeten tracks habe ich dann einfach loops gemacht und sie in meinem live acts benutzt. die loops kann man übrigens auf der cd 2 hören. dort sind über 100 loops drauf, die man zum live spielen oder für ein dj set benutzen kann.
außerdem sollte jeder track einen wiedererkennungswert haben. die meisten alben, die released werden, sind meiner meinung nach einfach nur extendet doppel ep’s. da klingt jeder track wie der andere. sowas ist super billig, meiner meinung nach. mit einem album sollte man zeigen was man kann und nicht was man nicht kann.
dazu kommt, dass ich in der albumphase drei mal mein studio zu 80 prozent geändert habe. ich habe so viele verschiedene geräte benutzt, dass ich selber nicht mal mehr weiß, was ich alles in den letzten drei jahren an equipment hatte. da ich ja auch noch mastering mache und in den drei jahren ja auch noch releasen wollte, ist dafür natürlich auch noch viel zeit drauf gegangen.

 
housefloor.de: für „stereotype“ ›› hast du fast ausschließlich an analogen synthesizern gearbeitet. warum hast du dich dafür entschieden?
brian sanhaji: ich will auf keinen fall die digitale welt verteufeln. ganz im gegenteil, es gibt auf digitaler ebene sehr viele gute sachen. eq’s oder fx plugins benutze ich definitiv, aber was die synth-abteilung angeht gibt es bis auf ein oder zwei ausnahmen nix was mich anspricht.
viele werden jetzt denken: „was redet der für’n scheiss, bei mir klingt alles super!“ - das kann ja auch sein. das ding in meinem fall ist aber, dass ich einen verdammt gut klingenden analog-synth habe, den cwejman s1 und ein paar module von cwejman. benutzt du einmal dieses teil, weißt du wie ein synth klingen muss. sobald du dann einen digital-synth benutzt, kotzt du ab. natürlich kann man mit digitalen synths auch super fetten sound machen, aber nicht so wie ich mir das vorstelle. jedem das seine!!!
 
housefloor.de: du betreibst die labels enable und sonata. vor allem enable war anfänglich als label für deine eigenen produktionen gedacht, hat sich dann aber auch für andere künstler geöffnet. was braucht ein track, um dich zu überzeugen? was macht das gewisse etwas aus, das ein stück für enable qualifiziert?
brian sanhaji: es muss ne coole idee dahinter stecken und es sollte in erster linie nichts nachgemachtes sein.
 
housefloor.de: sonata war anfangs als rein digitales label geplant, um schneller veröffentlichen zu können. warum ist es dir wichtig, einen track möglichst innerhalb weniger wochen zu releasen?
brian sanhaji: es geht nicht nur um die zeit. das hat für mich mehrere gründe. zum einen stört mich dieser ganze aufwand bis ich eine gut klingende vinyl in der hand habe. wenn ich sie dann habe, müssen zu viele leute hinter meiner musik und meinem label stehen, damit sich das alles gut verkauft.
ich gehöre nicht zu den produzenten, die es allen recht machen oder immer nur das produzieren, was alle gerade hören wollen. ich jage keinen trends hinterher und versuche so zu klingen wie die top 10 der verkauf-charts. so denken aber die verkäufer in vertrieben und ladenbesitzer beim einkauf ihrer platten. um diese ganzen dinge zu umgehen habe ich das label sonata gegründet.
ich produziere in meinem studio ein paar tracks und gehe damit rüber in mein büro, mache ne grafik fertig und lade das ganze auf den beatport-server. dann kümmere ich mich um dj promo und so weiter. das ist für mich die zukunft. das ist techno!!
 
housefloor.de: du bist nicht nur ein kreativer kopf, sondern auch ein versierter techniker, denn du machst das mastering für clr und spinclub recordings. stellst du dich dafür auf die einzelnen tracks ein?
brian sanhaji: das ding mit dem mastering ist einfach zu erklären. ich höre mir einen track an und weiß meistens sofort was ich ändern muss.
   
housefloor.de: du bist ein ausgeprägter nachtmensch. wie sieht ein typischer arbeitstag bei dir aus?
brian sanhaji: als erstes komm ich ins büro und check meine emails, sortiere mastering-aufträge nach der wichtigkeit und schau was ich heute denn schönes zu essen bekomme.
dann kommt es drauf an: wenn ich viele mastering-jobs habe, kommt es oft mal vor, dass ich zwei wochen keine musik machen kann. bei weniger mastering-jobs kümmere ich mich erstmal um meine kunden und dann mach ich am abend noch bis früh morgens musik.
donnerstags checke ich meistens noch mein live act und packe neue sounds und loops auf die rechner.
so ungefähr ist es bei mir fast jeden tag. ich habe hier eigentlich immer irgendwas zu tun und wenn ich mal nix zu tun habe, ärger ich meine studio nachbarn chris und monoloc.

   
housefloor.de: dein herz schlägt seit einem prodigy-konzert im jahr 1996 nur noch für techno. wie hat sich in deinen augen die szene, der sound und das wofür techno steht seitdem verändert?
brian sanhaji: es hat sich sehr viel verändert, was aber auch cool ist. auf alles einzugehen würde das interview sprengen.
ich finde es im moment sehr angenehm, dass die minimalwelle endlich vorbei ist und es wieder technoider wird. kann den scheiß nicht mehr hören.

   
housefloor.de: mit deinem ersten longplayer steht nun ein weiterer meilenstein in deiner karriere. wird es eine tour dazu geben oder was können wir in naher zukunft von dir erwarten? und hast du auch langfristige ziele?
brian sanhaji: ich toure eh schon die ganze zeit rum. das muss man jetzt nicht noch stereotype tour nennen.. :-) im januar releasen wir die loops, die auf cd 2 sind, exclusiv auf beatport und im februar die stereotype remixe, unter anderem von tommy four seven, cari leckebusch und monoloc. momentan arbeite ich an der planung meiner neuen homepage, die was ganz besonderes werden soll. paralell dazu wird es auch ein neues label geben, nämlich sanhaji-music.com hoffe, dass das im märz alles fertig sein wird. außerdem kommen die enable 019 und 020 raus, die beide von mir sein werden... dazu noch die neue sonata. ich habe somit einiges vor bis märz.
bin mal gespannt...

   
 
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