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housefloor Interview :: Anthony Rother
 
 
Name
Anthony Rother
Wohnort
Offenbach
Labels
Datapunk, Telekraft
housefloor.de: Kürzlich ist Deine neue Mix-Compilation Fuse presents Anthony Rother erschienen. Was verbindet Dich mit dem Fuse Club?
Anthony Rother:

Ich spiele seit Ende der 90-er im Fuse Club, also schon wirklich lange. Im Fuse Club habe ich zwei Nächte erlebt, in denen ich so eine enge Verbindung zum Publikum bekommen habe, dass ich mich dadurch als Künstler weiterentwickelt habe. Das war wie ein Erwachen durch die Energie. Dieses Gefühl habe ich immer wieder, wenn ich ins Fuse komme. Die Leute schicken einfach so eine Energie rüber, dass mich das als Künstler immer weiterbringt. Man kann das schwer mit Worten beschreiben. Das ist eine emotionale Sache, die mich sehr inspiriert.

 
housefloor.de: Und wie hast Du dann die einzelnen Tracks für den Sampler ausgesucht?
Anthony Rother: Die habe ich nach meinem Geschmack ausgesucht. Da gab’s nicht wirklich eine konkrete Vorstellung, dass ich einen bestimmten Style spiele. Das mache ich sowieso nicht. Wenn ich auflege, spiele ich das worauf ich Bock habe. Die Tracks auf dem Sampler sind die Tracks, die ich zu der Zeit gerne aufgelegt habe.
 
housefloor.de: Auf der jüngsten We Are Punks-Compilation ist Dein neues Alter Ego Beuys von Telekraft zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Was hält Beuys von Telekraft in Zukunft für uns bereit und was unterscheidet dieses Alias von der Musik, die Du als Anthony Rother veröffentlichst?
Anthony Rother: Das Alter Ego Beuys von Telekraft ist witzigerweise erst von den Medien und von anderen zu einem Alter Ego gemacht worden. Im Grunde genommen war das so eine Fiktion, die ich mir für das Album überlegt habe, und das war ja ein Anthony Rother-Album, das eben nur „Mein Name ist Beuys von Telekraft“ hieß. Ich habe jetzt noch eine Maxi als Rother vs. Telekraft gemacht auf Telekraft Recordings. Für mich ist das Kapitel mit dem Album im Grunde abgeschlossen. Nun habe ich zwischendurch auch als Telekraft DJ-Sets gespielt, was aber eher für Verwirrung sorgt. Vielleicht werde ich das einstellen, weil die Leute das einfach verwechseln. Was Neues als Beuys von Telekraft ist jedenfalls nicht geplant. Aber man weiß ja nie. Man bekommt eine Eingebung und dann macht man vielleicht doch wieder was.
 
housefloor.de: Und wie verhält sich das mit dem Label Telekraft Recordings?
Anthony Rother: Sobald es sich ergibt, dass ich wieder was dafür habe, bringe ich da auch auf jeden Fall wieder was raus.
 
housefloor.de: Aha, also Beuys von Telekraft und das Label Telekraft hängen nicht direkt zusammen?
Anthony Rother: Das Beuys von Telekraft Album war ja ein komplettes Konzeptalbum. Da wird eine Kunstfigur geschaffen mit einem Comic, das gezeichnet wurde. Und dazu habe ich dann das Label Telekraft Recordings geschaffen, weil das Album auf Datapunk vom Konzept und vom Sound her einfach nicht gepasst hat. Das Album und das Label gehören also schon direkt zusammen. Das ist ein in sich selbst geschlossener Kosmos. Die Idee war so eigenwillig, dass ich eben direkt ein Label draus gemacht habe.
housefloor.de: Verstehe, das hat sich dann so ergeben?
Anthony Rother: Genau, das war nichts Geplantes oder so, sondern es hat sich aus sich selbst heraus ergeben. Es passte einfach nicht auf Datapunk, deshalb wollte ich da das eigene Label. Denn dieses Album ist einfach eine ganz eigene Sache, es hat einen anderen Hintergrund, auch mit diesem Comic-Style, mit deutschen und englischen Vocals und weil alles komplett digital ist. Und so hat sich das dann alles aus sich selbst heraus ergeben.
housefloor.de: Du bist ja schon ziemlich lange Labelbesitzer. Als Du Dein erstes Label gegründet hast, war Vinyl noch das wichtigste Medium für elektronische Clubmusik. Das ist heute anders. Wie hast Du Dich als Labelmacher auf die Veränderungen durch die Digitalisierung eingestellt?
Anthony Rother: Ich muss sagen, dass ich beim Thema Digital, bei Beatport zum Beispiel, schon seit dem Anfang mit dabei bin. Ich war einer der ersten sozusagen prominenten Elektroniker, die mit Beatport zusammen diese Plattform beworben haben. Trotzdem habe ich mich selber mit diesem Medium nicht so stark auseinandergesetzt, im DJ-Kontext zum Beispiel. Als Produzent hat mal ja schon seit zehn Jahren mit digitalen Medien zu tun, die Tracks werden digital aufgenommen, da war das Digitale jetzt nichts Neues. Nur in der Verbindung, dass digitale Dateien den Tonträger ablösen könnten, habe ich das zunächst immer als zweite Option gesehen. Ich habe damals nicht erwartet, dass es wirklich den Markt auf einmal so stark bestimmen könnte. Das digitale Medium hat eben den Nachteil, dass man die Tracks verlustfrei kopieren kann. Und das ist das Problem. Die verlustfreie Kopie schadet dem Vinyl. Dazu tragen auch die schnellen Download-Geschwindigkeiten bei. Ja, und 2006 oder 2007 ist dann eben die Katastrophe passiert. Da ist der Vinyl-Markt komplett zusammengebrochen. Das war erst mal ein Schock. Da konnte man gar nicht wirklich drauf reagieren, denn man hat sich noch gewundert, warum die Verkaufszahlen plötzlich so sinken. Es hat ein Jahr gedauert bis man dann in der Szene zu dem Schluss gekommen ist, dass der digitale Download und die Raubkopiererei einfach zu diesem Ergebnis geführt haben.
housefloor.de: Das heißt, man muss jetzt einfach damit leben und gucken wie’s weitergeht?
Anthony Rother: Ja genau. Das ist der Wandel der Zeit. Es ist schwer einzuschätzen. Mit digitalen Downloads verdienen einige Labels ihr Geld heutzutage. Nur gegen das Raubkopieren, dagegen kann man halt nichts machen. Ich denke auch, die junge Generation hat das auch nicht anders gelernt als sich die Sachen im Netz zu besorgen und nicht dafür zu zahlen. Ich meine, Geld ist immer knapp, die Moral ist niedrig und ich kann die Kiddies verstehen. Vielleicht würde ich es als Kid nicht anders machen, wenn ich irgendwie keine Kohle hätte, will aber auflegen. Die ganzen Programme und Tracks gibt’s umsonst im Netz – was soll man da tun?!
housefloor.de: Ja, mal sehen wo uns das Ganze hinführt.
Anthony Rother: Ich denke, das wichtigste dabei ist, dass die Leute, die Geld haben und sich die Sachen leisten können, die Musik dann auch kaufen. Jemand, der kein Geld hat, was soll der machen?! Ich denke auch, untereinander bis zu einem bestimmten Grad zu tauschen, ist völlig ok. Wenn jemand einen Track kauft und den dann an zwei, drei Kumpels weitergibt, da habe ich persönlich nichts dagegen. So war’s früher auch. Man hat sich Platten gegenseitig aufgenommen auf Kassette oder so. Das ist ein ganz normales Sharing. Bei der Raubkopiererei von Leuten, die sich die Musik eigentlich auch leisten könnten, da müsste sich einfach das Bewusstsein verändern. Weil alles andere kann man sowieso nicht mehr stoppen.
housefloor.de: Eine Frage nun zu Deinen eigenen Produktionen. In Deinen Tracks arbeitest Du oft mit Vocals. Du willst also mit Deiner Musik nicht nur zum Tanzen, sondern auch zum Nachdenken anregen?
Anthony Rother: Das ist schwierig zu beantworten. Wenn ich Musik mache, entsteht das aus der Emotion heraus, dann schreibe ich meine Texte, aber ich verfolge dabei nicht unbedingt ein Ziel. Das ist einfach ein kreativer Prozess und das passiert einfach. Was dann die Leute, die es hören, dazu denken und empfinden, steht auf einem anderen Papier. Es ist schön, wenn mir das dann mitgeteilt wird. Wenn man mit Fans über die Musik spricht und dann mitbekommt, was sie dazu empfinden oder denken, was damit gemeint ist. Aber ich selber habe da keine Intention irgendjemandem irgendwas zu sagen oder zu belehren oder irgendwie politisch aufzuklären.
housefloor.de: Ja, man kann den Leuten da ja auch ihren Freiraum lassen für Interpretation.
Anthony Rother: Das sowieso. Wenn ich mir selber etwas dabei gedacht habe, dann stimmt das sowieso nie damit überein, was jemand anderes dazu denkt. Das ist ja auch das Spannende daran, dass jeder sein eigenes Leben in der Musik reflektiert. Das mache ich und das machst Du, wenn Du Musik hörst - abhängig von dem Leben, das man lebt, oder von der Lebenssituation, in der man sich befindet. Es gibt Lieder, die können in verschiedenen Situationen zehn verschiedene Bedeutungen haben. Das ist für mich das Schöne an der Musik.
housefloor.de: Eine Frage zu Deinen Live Sets. Du bist bekannt dafür mit einer unglaublichen Menge Equipment zu Deinen Gigs anzureisen. Wie sieht Deine aktuelle Live-Show aus und warum brauchst Du so viele Geräte?
Anthony Rother: Das Live Set ist nach wie vor gut bestückt mit viel Hardware, Keyboards und Effekten. So viel Hardware brauche ich, um genau die Musik zu machen, die ich live spielen will. Da würde ich mit einem Controller und einem Laptop nicht auskommen. Dazu muss ich sagen, dass mir ein Laptop auch noch zu unsicher ist. Außerdem habe ich mit der Hardware viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Wenn ich live spiele, dann singe ich, dann spiele ich Keyboard… Ich arrangiere alle Tracks live, das heißt es gibt keine fertigen Arrangements. Auch die Effekte bediene ich live. Ich kreiere in dem Moment aus der Emotion und der Atmosphäre im Publikum heraus das Arrangement und die Abfolge der Tracks. Dazu brauche ich auch viel Körpereinsatz. Ich spiele sehr körperbetont. Das ist auch eine Körpersprache. Wenn ich eine Taste drücke, mich dann umdrehe und an den Effekten drehe, und dann mein Mikrofon oder das Megaphon in die Hand nehme und Vocals einsinge – das ist ja schon eine Art Körpersprache, die sich dann über die Instrumente ausdrückt. Das geht halt nur mit diesem Equipment. Das kann man nur mit einem Controller oder mit dem Computer und der Maus in der Hand nicht umsetzen. Und dieses körperbetonte Spielen – daher kommt ja auch der Begriff Performance, dass man sich ausdrückt – hat für mich einfach viel mehr Reiz.
housefloor.de: Zum Schluss: Was liegt in den nächsten Monaten bei Dir an?
Anthony Rother: Jetzt ist erstmal meine aktuelle Maxi auf Datapunk erschienen, nennt sich „Dance!“. Und dann ist die Fuse Compilation erschienen. Außerdem produziere ich gerade mein nächstes Artist-Album. Ansonsten bin ich viel auf Tour und habe ja jetzt mein DJ-Set, das ich vor einem halben Jahr begonnen habe. Damit bin ich auch gerade auf der Reise und am Ausprobieren, weil ich da ja noch Anfänger bin und das ist schon eine spannende Sache mit dem Auflegen.
   
 
Interview: Alexandra Heine
   
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