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Housefloor Interview Sharam Jey
 
 
Name
Sharam Jey
Wohnort
Köln
Label
King Kong
housefloor.de: In wenigen Tagen erscheint dein neues Album “In My Blood”. Mit welcher Idee bist du ans Produzieren herangegangen?
Sharam Jey: Also, nachdem fünf Jahre seit meinem letzten Album „4 Da Loverz“ vergangen waren und ich dafür fast drei Jahre durchgehend auf Tour war, musste ich mich ganz ehrlich erstmal wieder ans Musikmachen und Produzieren heranwagen. Ich musste sozusagen wieder einen Bezug zu meinem Studio kriegen. Die Ideen waren eigentlich schon da und nach einiger Zeit lief es dann im Grunde auch wieder wie von allein. Es steckt in dem Sinne keine große Idee dahinter, sondern ich war einfach wieder bereit Musik zumachen und zu gucken, in welche Richtung die Songs gehen.
 
housefloor.de: Und wie hat sich die Arbeit am Album dann weiter entwickelt?
Sharam Jey: Wie gesagt, ich war nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten so voller Elan, dass ich letztendlich 30 fertige Tracks hatte, die ich dann auf 13 runterschrauben musste. Was eine ganz schön schwere Sache war, da ich wirklich alle Songs wahnsinnig mochte. Ich finde man hört dem Album diesen Elan auch an, es steckt viel Inspiration und Leidenschaft in den Songs. Und es ist ein super Gefühl, wenn sich alles so toll entwickelt.
 
housefloor.de: Für „In My Blood“ hast du mehrere Sänger ins Boot geholt. Wie hast du die Sänger ausgesucht und wie verlief die Zusammenarbeit? Aus wessen Feder stammen die Lyrics?
Sharam Jey: Witzigerweise wollte ich am Anfang eigentlich gar keine Gastssänger. Dann sind diese ganzen Leute aber auf unterschiedlichste Weise zu dem Projekt gestoßen. Princess Superstar zum Beispiel war ein großer Fan der ursprünglichen instrumentalen Clubversion von „Monday Morning“ und hatte den Track immer in ihre Sets eingebaut. Sie kam dann auf die Idee, da Vocals drauf zusetzen. Bei Tommie Sunhine war es so, dass wir schon seit Jahren gesagt haben, dass wir was zusammen machen müssen. Dann wollte er unbedingt was singen, da war ich erst etwas skeptisch, muss aber sagen, dass er mich dann mit dem Resultat voll überzeugt hat. Cornelia, die auf der aktuellen Single „Army Of Men“ singt, habe ich erst über MySpace kennen gelernt und nach einiger Zeit haben wir uns dann das erste Mal auf dem Hultsfred-Festival in Schweden getroffen. Sie war da als Journalistin und ich habe als einziger DJ unter Rockbands wie Strokes oder Babyshambles aufgelegt. Die Zusammenarbeit mit Andreas Hogby, der auf der nächsten Single „Hearts Of Stone“ zu hören ist, kam durch den Videoregisseur vom „Monday Monring“-Video. Er hat mir von diesem Typen erzählt, der in der Rockband Torpedo singt und immer meinte, er würde gerne mal etwas Elektronisches machen. Das sollte sich so anhören wie meine Musik. Dann hat Johan, der Regisseur, ihn einfach mit mir bekannt gemacht und schon war die Zusammenarbeit klar.
Bei den Lyrics war ich bei meinen vorherigen Songs eigentlich immer beteiligt. Diesmal war es so, dass wenn ich das Gefühl hatte, dass die Künstler den Song verstehen und fühlen, ich volles Vertrauen hatte und ihnen absolute Freiheit bei den Lyrics ließ.
 
housefloor.de: Dein neues Album erscheint bei deinem Label King Kong, das in diesem Jahr sein 8-jähriges Bestehen feiert. Wie schätzt du die Entwicklung von King Kong ein?
Sharam Jey: Das Ziel war eigentlich immer Musik ohne irgendeine Beschränkung rauszubringen, von Djs für Djs sozusagen. Bis jetzt war das fast ausschließlich Vinyl. Zurzeit dreht sich aber doch alles um das Album, welches wir fast selbständig veröffentlichen. Lediglich in Australien haben wir Bandroom/One Love als Partner, die kümmern sich eigentlich eher um Indiebands wie etwa Zoot Woman. So einen großen internationalen Release kann man eigentlich nur packen, wenn man viele tolle Leute hat, die einen da unterstützen und helfen, das das Ganze ein runde Sache wird.
 
housefloor.de: Als langjähriger DJ, Produzent und Labelmacher: wie schätzt du die aktuelle Situation der House Music in Deutschland ein?
Sharam Jey: Hm, nur für Deutschland finde ich das schwer zu sagen, da ich doch größtenteils im Ausland unterwegs bin und auflege. Jetzt für die neue Tour haben wir aber auch ne Menge Gigs hier anvisiert. Was mir allerdings aufgefallen war, ist, dass man hierzulande doch eine ganz Zeit sehr auf diesen Minimal-Sound fixiert war. Egal wo man hinkam, es wurde die gleiche Musik und dieselben Platten gespielt. Es ist schön, dass hier langsam auch eher schön groovende Tracks mit netter Melodielinie Anklang finden. Ich denke, dass die Leute doch einfach Spaß und Party haben wollen und das mit einem variantenreicheren Sound einfach besser klappt.
Außerdem ist Wandel immer gut.
housefloor.de: Vor knapp einem Jahr ist auch ein Remix Album zu deinem „Classic Editions“ erschienen. Wie hast du die Remixer für dieses Album ausgesucht?
Sharam Jey:
Es gab da eigentlich zwei Ansätze: zum einen wollte ich, dass Djs und Produzenten, die die Tracks schon früher gemocht und gespielt haben, sie remixen. Sozusagen deren Interpretation meiner Klassiker. Zum anderen habe ich auch einfach Leute gefragt, die ich zu meinen Lieblingskollegen und -produzenten zähle.
housefloor.de: Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Sharam Jey: In den letzten paar Monaten waren die doch sehr einförmig, das heißt früh aufstehen, ins Studio, anschließend Büro. Da wir jetzt auch ein Berlin-Office haben, muss die Achse Köln-Berlin immer abgestimmt werden.
Täglich arbeitet die King Kong Crew zusammen mit unserem Vertrieb Intergroove und unseren PR-Agenten in Großbritannien, USA, Australien und Benelux und stimmen alle wichtigen Details bezüglich des Albums ab.
Zusätzlich habe ich im Moment auch noch einige Remixaufträge zu bearbeiten. Es ist also ein fast 24-Stunden-Tag für mich. Aber es ist auch aufregend und macht Spaß, da ja jetzt endlich das Album in die Läden kommt.

 
Interview: Pepe Norman
   
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