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housefloor.de: |
wie
bist du zur elektronischen musik gekommen? |
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chris
liebing: |
ich
habe anfangs ganz andere sachen aufgelegt. die wurden mir
dann irgendwann zu langweilig, das war so '93 und da hab ich
die ersten harthouse und eye q scheiben gehört. so fing's
an…
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housefloor.de: |
was
fasziniert dich daran? |
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chris
liebing: |
alles
ist möglich und man kann (inzwischen) auch ohne großen aufwand
kreativ sein. |
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housefloor.de: |
im
juni 2003 erscheint dein neues album "evolution". was hat es
mit dem namen auf sich? stellt das album einen evolutionären
schritt in deiner musikalischen entwicklung dar? |
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chris
liebing: |
während
des produzierens war jedenfalls das augenmerk auf die menschliche
evolution gerichtet. dass da meine eigene musikalische entwicklung
mitspielt ist klar, aber doch auch für mich im nachhinein mehr
als mir bewusst war. der eigenen entwicklung ist man sich selber
wohl nie so bewusst. |
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housefloor.de: |
auf
"evolution" ist nicht nur der harte sound zu finden, den du
meist in clubs auflegst. woher hast du impulse für das album
erhalten? |
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chris
liebing: |
so
blöd es sich anhört, aber unter anderem auch aus meiner eigenen
persönlichen entwicklung. ich habe auch viele sounds verarbeitet,
die ich in den 80-ern und 90-ern selber gerne gehört habe.
da sind irgendwo versteckt sachen von human league, madness,
billy idol und anderen zu hören. wobei das meine auffassung
mit der verarbeitung von alten sounds ist, das hat nix mit retro
zu tun. |
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housefloor.de: |
außerdem
ist auf dem album auch trommel-orchesterstück. warum hast du
dich entschlossen, diesen titel zu machen? |
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chris
liebing: |
ich
finde orchester sounds einfach klasse und denke, dass technoproduktionen
sowieso teilweise was von klassik haben. mit diesen sounds ist
es relativ einfach düstere und monumentale tracks zu machen.
das liegt wohl in der natur von orchestern. |
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housefloor.de: |
von
wem stammen die vocals auf "evolution"? |
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chris
liebing: |
im
prolog und epilog stammen sie von theorien von stephen hawking,
dessen ideen hinsichtlich der entwicklung der menschheit und
des universums ich sehr interessant und treffend finde. bei
paradox behaviour kommen sie von mir, sind aber absichtlich
etwas unverständlich - das soll so keiner wirklich hören können.
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housefloor.de: |
gemeinsam
mit pauli steinbach moderierst du auf hr xxl "pitch control".
worum geht es in der sendung? |
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chris
liebing: |
wir
sind da total konzeptlos und das jetzt schon seit fast drei
jahren. nee, im ernst, im grunde genommen möchten wir den hörern
verschiedene technostyles vorstellen. wir haben eine liste toller
gäste, die uns da woche für woche helfen. außerdem spielen wir
neue sachen, um den leuten vielleicht kauf-tipps zu geben. aber
ansonsten wollen wir donnerstag abends einfach nur spaß haben. |
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housefloor.de: |
im
jahr 2001 hast du mit clretry ein reines remixlabel gegründet.
warum sind dir remixe so wichtig? |
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chris
liebing: |
durch
remixe erreicht man eine art zusammenarbeit mit anderen produzenten,
die sonst so nicht möglich wäre. dadurch wird die kollektive
kreativität gefördert und bringt einen auch auf neue wege. außerdem,
jeder neue gute track ist ein wichtiger teil meiner plattenkiste! |
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housefloor.de: |
welchen
deiner eigenen tracks magst du persönlich am liebsten? |
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chris
liebing: |
es
gibt da so tracks, mit denen verbinden mich so kleine geschichten.
audio 07 zum beispiel, war so mein erster durchbruch und ist
durch meine omen eindrücke entstanden. clr 07 und clr 08 sind
auch zwei meiner favoriten. auf meinem neuen album sind jetzt
auch ein paar dazugekommen. |
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housefloor.de: |
dein
tollster gig/tollstes auflege-erlebnis und warum? |
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chris
liebing: |
eins
vorweg, so was kann man eigentlich nicht sagen, da irgendwie
alles einmalig und besonders ist, aber ein erlebnis werde ich
wohl nicht so schnell vergessen: 1996 sonntagnacht unten im
tresor nach der loveparade. da hab ich bis montagmorgen um elf
uhr aufgelegt. als ich dann aus dem keller kam, schien die sonne
und ich hatte ein unbeschreibliches gefühl von zufriedenheit
und angenehmer leere in mir. alles war einfach nur schön und
ich völlig am ende, aber das war egal. in der nacht habe ich
verdammt viel gelernt und verstanden. |
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housefloor.de: |
du
legst viel im ausland auf. welche unterschiede gibt es in der
art und weise des feierns in den einzelnen ländern? |
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chris
liebing: |
nicht
viele. manche sitten sind anders. in spanien zum beispiel gehen
die meisten erst ab drei uhr nachts weg, so dass die hauptauflegezeit
erst um sieben oder acht uhr morgens ist. in anderen ländern
merkt man auch manchmal noch so eine neue euphorie der musik
gegenüber, einfach weil sie es gar nicht wirklich so gewohnt
sind. |
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housefloor.de: |
mitte
der neunziger jahre hattest du einen club, den spinclub in giessen.
kannst du dir vorstellen, noch mal eine eigene party location
zu gründen? |
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chris
liebing: |
ja,
eine kleine vielleicht, dann muß sich aber jemand anderes um
die geschäftliche seite kümmern, da versage ich nämlich komplett.
deshalb bin ich auch damals pleite gegangen. |
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housefloor.de: |
welche
musikalischen tendenzen siehst in der szene? |
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chris
liebing: |
ich
denke, was die elektronische musik angeht, stehen wir immer
noch so ziemlich am anfang. es wird wohl mehr und mehr crossover
sachen geben, was im endeffekt vielleicht wieder zu neuen styles
führt. |
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housefloor.de: |
in
welchem zusammenhang steht die techno/house szene nach deiner
einschätzung mit drogen? |
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chris
liebing: |
drogen
gehören zur menschheit seit anfang an. der punkt ist nur, dass
nicht jeder damit umzugehen weiß und deshalb gibt es gesetze.
in der elektronischen musik spielen die drogen glaube ich, keine
größere rolle als in anderen musikrichtungen, als die noch am
anfang standen. die rocker haben gesoffen, die hippies haben
unmengen von lsd und thc vernichtet und ich glaube mozart hat
opium geraucht.
dass drogen schädlich sind, ist unbestritten. jeder der sie
konsumiert sollte sich klar machen, dass es nicht zu seinem
lebensinhalt wird und dass es auch andere wege gibt, in andere
welten abzutauchen. wer übt, der bekommt das auch ohne fremde
substanzen hin.
eigentlich versuchen die meisten menschen ja immer, noch eine
andere ebene zu erreichen und die jeweils "modernste" musik
ist dafür wohl immer am besten geeignet. deshalb wohl diese
allgemeine assoziation zwischen techno und drogen. aber es geht
auch ohne! |
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housefloor.de: |
wenn
du rückwärts in der zeit reisen könntest, in welche epoche beziehungsweise
in welches jahrhundert würdest du reisen und warum? |
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chris
liebing: |
ich
würde echt gerne mal ins mittelalter. alleine nur um unsere
landschaft hier mal ohne häuser, städte, autobahnen, autos und
strommasten zu sehen. wäre mal gespannt, wie da die luft so
riecht und der himmel aussieht. |
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