interview: "chris liebing"
name:
chris liebing
wohnort:

frankfurt

legt auf seit:
1991
resident im:
u60311 frankfurt
style: techno
housefloor.de: wie bist du zur elektronischen musik gekommen?
chris liebing:

ich habe anfangs ganz andere sachen aufgelegt. die wurden mir dann irgendwann zu langweilig, das war so '93 und da hab ich die ersten harthouse und eye q scheiben gehört. so fing's an…

   
housefloor.de: was fasziniert dich daran?
chris liebing: alles ist möglich und man kann (inzwischen) auch ohne großen aufwand kreativ sein.
   
housefloor.de: im juni 2003 erscheint dein neues album "evolution". was hat es mit dem namen auf sich? stellt das album einen evolutionären schritt in deiner musikalischen entwicklung dar?
chris liebing: während des produzierens war jedenfalls das augenmerk auf die menschliche evolution gerichtet. dass da meine eigene musikalische entwicklung mitspielt ist klar, aber doch auch für mich im nachhinein mehr als mir bewusst war. der eigenen entwicklung ist man sich selber wohl nie so bewusst.
   
housefloor.de: auf "evolution" ist nicht nur der harte sound zu finden, den du meist in clubs auflegst. woher hast du impulse für das album erhalten?
chris liebing: so blöd es sich anhört, aber unter anderem auch aus meiner eigenen persönlichen entwicklung. ich habe auch viele sounds verarbeitet, die ich in den 80-ern und 90-ern selber gerne gehört habe.
da sind irgendwo versteckt sachen von human league, madness, billy idol und anderen zu hören. wobei das meine auffassung mit der verarbeitung von alten sounds ist, das hat nix mit retro zu tun.
   
housefloor.de: außerdem ist auf dem album auch trommel-orchesterstück. warum hast du dich entschlossen, diesen titel zu machen?
chris liebing: ich finde orchester sounds einfach klasse und denke, dass technoproduktionen sowieso teilweise was von klassik haben. mit diesen sounds ist es relativ einfach düstere und monumentale tracks zu machen. das liegt wohl in der natur von orchestern.
   
housefloor.de: von wem stammen die vocals auf "evolution"?
chris liebing:

im prolog und epilog stammen sie von theorien von stephen hawking, dessen ideen hinsichtlich der entwicklung der menschheit und des universums ich sehr interessant und treffend finde. bei paradox behaviour kommen sie von mir, sind aber absichtlich etwas unverständlich - das soll so keiner wirklich hören können.

   
housefloor.de: gemeinsam mit pauli steinbach moderierst du auf hr xxl "pitch control". worum geht es in der sendung?
chris liebing: wir sind da total konzeptlos und das jetzt schon seit fast drei jahren. nee, im ernst, im grunde genommen möchten wir den hörern verschiedene technostyles vorstellen. wir haben eine liste toller gäste, die uns da woche für woche helfen. außerdem spielen wir neue sachen, um den leuten vielleicht kauf-tipps zu geben. aber ansonsten wollen wir donnerstag abends einfach nur spaß haben.
   
housefloor.de: im jahr 2001 hast du mit clretry ein reines remixlabel gegründet. warum sind dir remixe so wichtig?
chris liebing: durch remixe erreicht man eine art zusammenarbeit mit anderen produzenten, die sonst so nicht möglich wäre. dadurch wird die kollektive kreativität gefördert und bringt einen auch auf neue wege. außerdem, jeder neue gute track ist ein wichtiger teil meiner plattenkiste!
   
housefloor.de: welchen deiner eigenen tracks magst du persönlich am liebsten?
chris liebing: es gibt da so tracks, mit denen verbinden mich so kleine geschichten. audio 07 zum beispiel, war so mein erster durchbruch und ist durch meine omen eindrücke entstanden. clr 07 und clr 08 sind auch zwei meiner favoriten. auf meinem neuen album sind jetzt auch ein paar dazugekommen.
   
housefloor.de: dein tollster gig/tollstes auflege-erlebnis und warum?
chris liebing: eins vorweg, so was kann man eigentlich nicht sagen, da irgendwie alles einmalig und besonders ist, aber ein erlebnis werde ich wohl nicht so schnell vergessen: 1996 sonntagnacht unten im tresor nach der loveparade. da hab ich bis montagmorgen um elf uhr aufgelegt. als ich dann aus dem keller kam, schien die sonne und ich hatte ein unbeschreibliches gefühl von zufriedenheit und angenehmer leere in mir. alles war einfach nur schön und ich völlig am ende, aber das war egal. in der nacht habe ich verdammt viel gelernt und verstanden.
   
housefloor.de: du legst viel im ausland auf. welche unterschiede gibt es in der art und weise des feierns in den einzelnen ländern?
chris liebing: nicht viele. manche sitten sind anders. in spanien zum beispiel gehen die meisten erst ab drei uhr nachts weg, so dass die hauptauflegezeit erst um sieben oder acht uhr morgens ist. in anderen ländern merkt man auch manchmal noch so eine neue euphorie der musik gegenüber, einfach weil sie es gar nicht wirklich so gewohnt sind.
   
housefloor.de: mitte der neunziger jahre hattest du einen club, den spinclub in giessen. kannst du dir vorstellen, noch mal eine eigene party location zu gründen?
chris liebing: ja, eine kleine vielleicht, dann muß sich aber jemand anderes um die geschäftliche seite kümmern, da versage ich nämlich komplett. deshalb bin ich auch damals pleite gegangen.
   
housefloor.de: welche musikalischen tendenzen siehst in der szene?
chris liebing: ich denke, was die elektronische musik angeht, stehen wir immer noch so ziemlich am anfang. es wird wohl mehr und mehr crossover sachen geben, was im endeffekt vielleicht wieder zu neuen styles führt.
   
housefloor.de: in welchem zusammenhang steht die techno/house szene nach deiner einschätzung mit drogen?
chris liebing: drogen gehören zur menschheit seit anfang an. der punkt ist nur, dass nicht jeder damit umzugehen weiß und deshalb gibt es gesetze. in der elektronischen musik spielen die drogen glaube ich, keine größere rolle als in anderen musikrichtungen, als die noch am anfang standen. die rocker haben gesoffen, die hippies haben unmengen von lsd und thc vernichtet und ich glaube mozart hat opium geraucht.
dass drogen schädlich sind, ist unbestritten. jeder der sie konsumiert sollte sich klar machen, dass es nicht zu seinem lebensinhalt wird und dass es auch andere wege gibt, in andere welten abzutauchen. wer übt, der bekommt das auch ohne fremde substanzen hin.
eigentlich versuchen die meisten menschen ja immer, noch eine andere ebene zu erreichen und die jeweils "modernste" musik ist dafür wohl immer am besten geeignet. deshalb wohl diese allgemeine assoziation zwischen techno und drogen. aber es geht auch ohne!
   
housefloor.de: wenn du rückwärts in der zeit reisen könntest, in welche epoche beziehungsweise in welches jahrhundert würdest du reisen und warum?
chris liebing: ich würde echt gerne mal ins mittelalter. alleine nur um unsere landschaft hier mal ohne häuser, städte, autobahnen, autos und strommasten zu sehen. wäre mal gespannt, wie da die luft so riecht und der himmel aussieht.
   
 
interview: alexandra heine
   
in "evolution" reinlauschen könnt ihr auf chris' home page.