interview: "john acquaviva"
name:
john acquaviva
wohnort:

london, canada

legt auf seit:
den späten 1970's
resident im:
smartbar-chicago, danzoo-madrid, u-matic-athens, the end-london - alle 2 monate. u60-frankfurt, ruby skye-san fran, metro, alicante, pagoa-san sebastian - 3-4 mal im jahr.
style: meistens house/tekhouse
mit jeder menge elektro clash
alter egos: viele für die verschiedenen dinge die ich tue. eines davon ist vater sein.
   
housefloor.de: wie hast du angefangen dich für elektronische musik zu begeistern?
john acquaviva:

während meine freunde led zeppelin und black sabbath hörten, hörte ich disco und soul und so kam das halt. ich hab höchstens gelernt led zeppelin zu mögen und über ozzy zu lachen.

   
housefloor.de: was fasziniert dich an dieser musik?
john acquaviva: ein guter titel berührt mich einfach und verbindet sich tief mit mir. das kann sowohl ein weicher, langsamer track oder groove sein, als auch ein rockiger song mit tribal-elementen und einer menge krach und schlagzeug oder jeglicher art von energie. das ist was ich in meinen sets rüberbringen will. es gibt vibes für jede stimmung.
   
housefloor.de: im mai dieses jahres ist der vierte teil deiner from saturday to sunday mix-cd erschienen. welches konzept steht hinter der compilation-reihe?
john acquaviva: das konzept, ist es zu zeigen, dass die meisten großen clubs einen richtig pumping sound mögen. die energie ist intensiver und das ist meist an den wochenenden, freitag oder samstag nacht. aber es gibt auch kleinere clubs, wie die, in denen ich sonntags oder donnerstags spiele. dort kann ich einen deeperen oder dunkleren sound spielen. die compilation ist für echte music junkies, die mehr wollen, so wie ich.
   
housefloor.de: du und richie hawtin, ihr wart ein paar der ersten djs, die final scratch in ihre sets integriert haben. wie weit haben die clubs und studios diese revolutionäre technik, die dem dj erlaubt digitale audio formate wie platten zu mixen, angenommen?
john acquaviva: ich glaube, es hat schon mächtig eindruck gemacht. für mich geht es dabei um die freiheit und die flexibilität, die es mir als dj gibt. davon abgesehen denke ich, dass final scratch ein wegweisender schritt in richtung zukunft ist. aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, in wie weit es bis jetzt nach einem jahr in die szene integriert wurde.
   
housefloor.de: im jahr 2001 ist deine mix compilation "mainhatten sound" erschienen. darauf sind mehrere deutsche produktionen wie zum beispiel von ian pooley, thomas p. heckmann, rob acid und funkknarz. da du eine ganze cd der deutschen szene gewidmet hast, vermute ich, dass du irgendwas besonderes an ihr findest. was ist das?
john acquaviva: es war ein projekt, das in den staaten gemacht wurde vom label shadow. es ging darum, artists und ihr lieblingslabel in nordamerika vorzustellen.
ich hatte immer das gefühl, dass nordamerika meistens nach england guckt, wenn es um musik geht. also habe ich mit force inc ein deutsches label ausgesucht.
natürlich gibt es einen haufen gute labels, aber einige meiner ganz frühen wurzeln liegen in frankfurt. ian pooley, thomas heckmann und achim von force inc waren einige der ersten label-menschen, die ich in deutschland getroffen habe. also habe ich sie gewählt, aber das war eine schwierige entscheidung. ich finde, es gibt so viel gute musik in deutschland.
   
housefloor.de: wenn du produzierst, arbeitest du meistens mit jemandem zusammen und machst kaum 12' scheiben komplett allein. warum?
john acquaviva:

ich wollte immer ein klassischer producer sein: leute treffen, die eine idee haben, sie anhören und dann helfen sie zu formen. ich habe nicht wirklich ein großes verlangen danach meinen namen an erster stelle ganz groß auf dem cover zu sehen. meiner meinung nach, gibt es genug rockstars da draußen.

   
housefloor.de: mit mehr als 60.000 scheiben hast du eine der größten plattensammlungen der welt. wie behälst du da den überblick? hast du sie alle schon einmal gespielt?
john acquaviva: ich habe alle mindestens einmal gespielt. das sind die, die ich als promos zugeschickt bekomme und die ich nicht mag. ich schmeiße aber niemals etwas weg. ich habe zwei häuser voll mit platten und etwa 80 prozent davon sind sortiert. ich habe aufgehört zu sammeln, weil ich völlig die kontrolle verlor. jetzt kaufe und bekomme ich nur noch 12's.
   
housefloor.de: du hast nicht nur platten aus verschiedenen musikrichtungen, sondern auch aus vielen ländern. machst du richtige platten-shopping-touren in den orten, in die du kommst, oder bestellst du platten lieber über das internet aus der ganzen welt?
john acquaviva: ich versuche mich zurückzuhalten, denn wenn ich eine band entdecke, will ich einfach alles kaufen, das sie je gemacht haben.
ich mag immer noch ethnische und regionale musik sehr, also wenn ich shoppen gehe, kann es passieren, dass ich eine ganze abteilung leer kaufe. ich war schon öfter in shops und habe dort die gesamte afrikanische und percussion-abteilung gekauft.
   
housefloor.de: du hast zwei söhne, die acht und fünf jahre alt sind. wie sehr beeinflusst du ihren musikalischen geschmack?
john acquaviva: ich habe ein paar mix cds mit ihnen gemacht, wobei mein ältester die musik auf vinyl oder cd starten und stoppen kann. die cds hören sie dann im auto. sie mögen brasilianische musik und soul. oder zum beispiel wenn ich everyday people oder sly and the family stone und ihren titel "dance to the music" anmache. sie lieben beides, weil "dance to the music" einfach jeden ergreift, der es hört, und ihn zum tanzen bringt. und sie mögen everyday people, weil eine der textpassagen "scoobie doobie doo bie" lautet und sie lieben die scooby do cartoons.
   
housefloor.de: was war der beste gig, den du je gemacht hast.
john acquaviva: ich habe schon so viele - zu viele - gigs gemacht, aber ich sehne mich immer noch nach mehr, sonst würde ich mich zur ruhe setzen. ich habe wirklich an tausenden nächten aufgelegt also kannst du dir vorstellen, es wäre als wenn man ein elternteil nach seinem lieblingskind fragen würde oder als wenn ich meine lieblingsstadt nennen sollte. wenn es da nur eine gäbe, würde ich nicht tun, was ich tue.
   
housefloor.de: wer hat dich in deiner musikalischen entwicklung am meisten beeinflusst?
john acquaviva: der ein paar jahre ältere dj peers, der in den clubs gespielt hat, in denen ich in den 70ern rumhing. das sind wirklich unbeachtete helden. die leute reden von larry levan oder frankie knuckles, aber es gab so viele andere großartige djs in anderen städten. viele von ihnen haben das zeitliche gesegnet oder sie mussten das business verlassen, weil sie damit kein geld machen konnten so wie heutzutage.
   
housefloor.de: wenn du rückwärts in der zeit reisen könntest, in welche epoche beziehungsweise in welches jahrhundert würdest du reisen und warum?
john acquaviva: ich sehe niemals zurück, also würde ich wahrscheinlich nirgends hingehen. aber wenn, dann vielleicht ins antike griechenland oder rom. das erscheint mir alles so einfach und romantisch.
   
housefloor.de: welche beziehung siehst du zwischen der techno szene, der house szene und drogen?
john acquaviva: für viele leute gehört das zusammen, zumindestens die musik sollte zusammengehören. ich spiele beides, house und techno.
aber die szenen sind so groß, dass jeder sich spezialisieren will und ich denke das ist das schlimmste.
wenn es um drogen geht, gibt es leute, die können nicht ohne leben, und andere, die können sie nicht ausstehen.
ob so oder so, die menschen mögen es irgendwohin zu fliehen, sei es in die musik, in sex, in den alkohol oder in drogen.
zur zeit liegen meine prioritäten bei musik und alkohol der weichen art, also wein und sekt. kein whiskey und wodka mehr, sonst wäre ich schon tot.
   
housefloor.de: welche musikalischen tendenzen siehst du in der szene, was kommt?
john acquaviva: es gibt nie eine klare richtung, sondern eher entwicklungen, die stück für stück verlaufen. die jungen leute von heute stehen auf punk und ich mag das. sie scheißen auf einige der älteren, etablierten und langweiligen artists, aber da ist immer noch ein tanzbarer beat drin. ich habe spaß daran, weil wir immer platz machen müssen für neue leute und stile.
   
housefloor.de: welche pläne hast du für die kommenden monate?
john acquaviva: alles aktuelle ist auf meiner website www.jacq.com zu finden. desweiteren werde ich wohl noch einige luftmeilen zurücklegen...
   
 
interview: alexandra heine
   
   
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