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kommentar november 2007 :: ralf gum


deutschland und deephouse:
eine funktionierende liaison?

kommentar von ralf gum

 

 
label:
gogo music
style:
soulful house music
neuestes release:
ralf gum &
akira dee
"everything u r"
 
da ich in letzter zeit (wieder einmal) von verschiedenen seiten gejammer gehört habe, dass in deutschland keine szene für deep- und soulful house bestehen würde, denke ich ist es an der zeit darüber einige worte zu verlieren und mit diesem, vor allem im ausland weit verbreiteten, vorurteil zu brechen…
 
aktuell reden viele “trendsetter” (und die, die es gerne wären) über die große rückkehr von klassischem house in deutschland. hierzu kann ich nur sagen, dass es diese große rückkehr gar nicht geben kann, da der sound nie wirklich stark vertreten war.

tatsächlich aber wurde ich gerade in letzter zeit verstärkt zu gigs mit der ankündigung seitens des veranstalters oder promoters eingeladen, dass sie mit ihrer party oder ihrem club “back to real house” wollen. oft sieht die realität aber leider nach wie anders aus. der warm-up dj spielt bereits um zehn uhr elektro auf 134 bpm, vocals (die für mich einfach essentiell zu house gehören) sind eine seltenheit und ein wirklich deepes set für den hauptact wird so gar nicht ermöglicht. wenn ich mich als gast-dj trotzdem dazu entscheide deepen sound zu spielen, werde ich all zu oft vom publikum nach härterem sound (oder noch besser: nach house…;-) gefragt – oft mit dem zusatz, dass das hier ja kein chill-out-event sei…
 
"viele internationale djs, stempeln deutschland gerne als no-go-country für sich ab, da es hier ja angeblich keine szene mit soul gibt. ich kann nur sagen: da liegen sie falsch!"
 
allerdings bei weitem nicht überall! auch in deutschland gibt es die clubs mit musikalisch offenem, nach neuem hungrigen, interessierten oder im besten fall sogar musikalisch gut gebildeten publikum, das ein house set sehr wohl zu genießen weiß. solange das set einen guten aufbau und flow hat, ist somit auch eine gute party garantiert.

was also ist das problem vieler internationaler djs, die gerne deutschland als no-go-country für sich abstempeln, da es hier ja angeblich keine szene mit soul gibt? ich kann nur sagen: da liegen sie falsch!

natürlich sind viele “clubs für elektronische musik” in unserem land einem härterem sound wie elektro oder techno verschrieben. da dieser nach seinen ursprüngen in detroit lange zeit vor allem von deutschen produzenten dominiert wurde und mit großen budgets auch gepusht wurde, ist das nicht verwunderlich. sofern sich deutsche medien, sei es print oder radio, überhaupt mit dem thema elektronischer beats beschäftigten, wurde hierzulande natürlich dementsprechend meist techno thematisiert. während in unseren nachbarstaaten landesweite radiostationen house teilweise sogar als schwerpunkt in ihrem programm haben (beispielsweise radio fg in frankreich) wird es hierzulande mit ausnahme weniger sendungen wie der clubnight von den major-radiostationen meist ignoriert. dies trägt natürlich auch dazu bei, dass der sound nicht als populär gesehen wird….
 
"anstatt hier und jetzt selbst etwas auf die beine zu stellen, verschwenden sie ihre zeit über den ultra-sophisticated sound, der angeblich in anderen ländern läuft, zu philosophieren"
 
zugegeben - durch den hype um elektro und minimal schien der soulful sound in den letzten jahren in deutschland eher ein schattendasein zu führen. allerdings muss man auch sagen, dass deutschlands househeads die dinge schlechter reden als sie sind. pessimismus scheint so langsam zu einer deutschen tugend des 21. jahrhunderts zu werden - nicht nur in der houseszene.

viele der nachwuchs-djs hören nur von partys in new york, chicago oder paris, sind von den line-ups beeindruckt, werden unverzüglich neidisch und schließen automatisch darauf, dass dort die szene ja viel besser sein muss. anstatt hier und jetzt selbst etwas auf die beine zu stellen, verschwenden sie ihre zeit über djs, clubs und den „ultra-sophisticated sound“, der angeblich in anderen ländern läuft, zu philosophieren, obwohl sie bisher wahrscheinlich höchstens ein youtube video von fünf minuten darüber gesehen haben.
 
"viele zeichen deuten darauf hin, dass der
deep- und soulful eine gute zeit vor sich hat"
 

tatsächlich gibt es aber in jedem land nur wenige clubs, wo der “real shit” gespielt wird – und deutschland ist hier keine ausnahme! eine handvoll großartiger produzenten und djs, sowie einige ständig engagierte nachwuchstalente beweisen ständig, dass auch die deutschen musikalische seele haben. aus meinen erfahrungen als dj kann ich gerade in den letzten monaten sagen, dass es aktuell wieder mehr und mehr clubs gibt, in denen house angesagt ist und viele clubs mit vorreiterstellung wollen wirklich wieder den wahren housesound etablieren. also wenn das nächste mal einer dieser schlauen trendsetter mir erzählen will, dass die große rückkehr von house ansteht, werde ich ihm einfach erwidern: keine rückkehr, aber viele zeichen deuten darauf hin, dass der deep- und soulful eine gute zeit vor sich hat. zumindest sah es lange nicht mehr so gut dafür aus...

stay true and positive...yours ralf

 
 
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