eine gesunde schizophrenie ist nie verkehrt, heißt es: wenn man es schafft, in metal- und punkbands zu spielen, ohne dass man von seinen knallharten kollegen wegen hochverrats aufgrund exzessiv verbrachter wochenenden in technoclubs den prozess gemacht bekommt...dann ist das also schon mal als erfolg zu werten.
wenn man es daraufhin schafft, es seinen helden der nacht - anstatt mit vinyl aus dem örtlichen recordstore für elektronische musik - mit perlen des deutschen schlager aus muttis plattenschrank gleichzutun und damit kurzerhand eine serie erfolgreicher schlager- und discoparties loszutreten...scheint sich toleranz gegenüber verschiedenen musikstilen auszuzahlen.
das war 1994. techno selbst war noch lange nicht erwachsen und besagte parties veranstaltete gunne gemeinsam mit limo – auch heute noch sein dj-brother in crime. mittlerweile wenden sich beide bei übungen an den plattentellern hauptsächlich den elektronischen sounds zu. ob das jetzt aber electro-technoide beats, pornostyle breaks oder minimale sounds sind, ist nicht spielentscheidend...denn gespielt wird alles, was rockt und spass macht!
mittlerweile betätigt sich gunne schon seit einiger zeit als promoter für die, wie er, aus erfurt stammenden elektro-rocker „northern lite“ bei deren label „1st decade“. dort fühlt er sich sichtlich wohl, denn dort kommt alles zusammen, was seine musikalische früherziehung ausmachte...eine party als job mit einer mixtur aus rock und techno als hintergrundmusik.
rock und techno sind wiederum nur teile seines stark wachsenden musikalischen output als produzent. pop, house, minimalismus und irgendwas dazwischen oder darüber hinaus finden ebenso ihren einfluss. besonders gut zu hören ist das in beiträgen auf „4y1st“ - einer cd-compilation zum 4-jährigen bestehen von „1st decade“ - und den ersten eigenen vinyl-veröffentlichungen auf „lebensfreude rec.“, „audiomorph“ und „opossum recordings“.
vom party machen kann er trotz alledem nicht lassen: schon seit einiger zeit veranstaltet gunne jeden monat im erfurter konga room „beinfreiheit“, paartys für das allgemeine tanzverständnis. und wer sich auch mal in die stinkigen underground-clubs jenseits der techno-szene wagt, kann ihn bisweilen als bassist der „erfurt allstars“ erleben - einem punk-rock-cover-projekt, das den ramones, misfits und spermbirds ebenso huldigt, wie motörhead und den dead kennedys.
let there be rock! |