Raudive nutzt den Reiz des Analogen auf seinem ersten Album 'Chamber Music' dezent aber gezielt und klingt so klassisch und progressiv zugleich.
Chamber Music wird nicht mit Akustik überladen. Statt Effekthascherei, deren Wirkung verpufft, fokussieren sich die Tracks hier auf das Instrument. Beispielsweise würde das sphärische Over ohne den Einsatz akustischer bzw. akustisch klingender Mittel nicht nur ärmer, es würde schlicht nicht funktionieren.
Das Filigrane, welches Raudive zunächst zu suchen scheint, entwickelt sich im Laufe des Albums, welches zusehends mehrdimensionaler klingt und an Tiefe gewinnt - Chamber Music wird von Track zu Track besser. Technisch spielt Raudive auf höchstem Niveau und es gibt eigentlich keinen Kritikpunkt, allein die künstlerische Seele bleibt schwer zu verorten - es mangelt an Charakter.
Raudives bürgerlicher Name lautet Oliver Ho, unter dem er vor allem durch Here große Aufmerksamkeit bekam (interessant, das noch heute das einstmalige Erscheinen auf Sven Väths Sound-of-the-seasons-Jahresrückblicken für höchste Reputation sorgt).
Seine musikalische Karriere begann der Londoner in der englischen Schranz-Szene. Eine erstaunliche Entwicklung, die das Bemühen um künstlerische Identität auf Chamber Music erklären könnte.
|